Buch-Tipps & Buchbesprechungen

     

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Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl:
Deutschlands Norden. Vom Erdaltertum zur Gegenwart.
Springer Verlag. Heidelberg, Berlin 2018. 197 S., 221 Abb., 2 Tab u. 3 S. Anhang, € 39,99/sFr. 40,50

ISBN 978-3662553725

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Regina Oehler, Petra Gehring, Volker Mosbrugger (Hrsg.):
Biologie und Ethik: Leben als Projekt. Ein Funkkolleg-Lesebuch mit Provokationen und Denkanstößen.
Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung. Senckenberg-Buch 78. E. Schweizerbart’sche Verlagsbuchhandlung. Stuttgart 2017. 248 S., € 15,90/sFr. 23,90
 

ISBN 978-3510614097

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A. Beerlage:
Wolfsfährten.
Alles über die Rückkehr der grauen Jäger.
Gütersloher Verlagshaus. Gütersloh 2017. 240 S., € 19,99/sFr. 29,90

ISBN  3579086839

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N. Conard, C.-J. Kind:
Als der Mensch die Kunst erfand –
Eiszeithöhlen der Schwäbischen Alb.
Theiss Verlag. Darmstadt 2017. 192 S., 110 Abb., 5 Karten, € 39,95/sFr. 52,90
 

IISBN 3806235635

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Falke-Redaktion:
Vogelschutz: Erfolge – Herausforderungen.
Sonderheft 2017. Der Falke – Journal für Vogelbeobachter. Aula Verlag. Wiebelsheim 2017. 64 S., € 9,95 zzgl. Versand
 

ISBN 978-3796536861

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O. Mikulica, T. Grim, K. Schulze-Hagen, B. Stokke:
Der Kuckuck –
Gauner der Superlative.
Franckh-Kosmos Verlag. Stuttgart 2017. 160 S., 232 Abb., € 28,-/sFr. 39,90
 

ISBN 978-3440158166

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H. Meller, Th. Puttkammer:
Klimagewalten – Treibende Kraft der Evolution.
Begleitband zur Ausstellung im Museum für Vorgeschichte, Halle, siehe Veranstaltungen, S. 161. Theiss Verlag. Darmstadt 2017. 352 S., Abb., € 39,95/sFr. 52,90
 

ISBN 978-380623120591

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Buchbesprechungen

   

 

Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl:
Deutschlands Norden. Vom Erdaltertum zur Gegenwart.

Dieses Werk verdient besondere Beachtung, weil es Landschaftsmerkmale mit ihrer wirtschaftlichen Inwertsetzung und dem damit einhergehenden Besiedlungsverlauf in direkte Wechselbeziehungen bringt und für Norddeutschland beispielhaft Geographie und Geschichte als Erklärungsfaktoren von Raum und Zeit heranzieht. Die Art und Weise, wie an typischen Raumausschnitten der Werdegang der Gesamtregion veranschaulicht wird, kann als gutes Beispiel für die heutige Rolle der Geographie als eine „Wissenschaft der Beziehungen" gesehen werden.
Das Buch knüpft an den bestens eingeführten, bereits in dritter Auflage vorliegenden Band Deutschlands Süden (Autoren: J. Eberle, B. Eitel, W. D. Blümel, P. Wittmann) an, der schon entscheidende Vorgaben zur Behandlung einer solchen Thematik gegeben hat. Entsprechend hoch sind die Erwartungen an das neue Werk, das man unweigerlich mit diesem ersten Band vergleicht, obwohl die beiden Gebiete von ihrer landschaftlichen Prägung und ihrer geschichtlichen Entwicklung her größere Unterschiede aufweisen. So ist zum Beispiel die typische Gewannflur im Süden mit der historischen Realteilung auf meist guten Böden verbunden, während die Blockflur des Nordens mit dem Anerbenrecht einen direkten Zusammenhang mit mageren Böden aufweist. Jedoch hält Deutschlands Norden diesem Vergleich stand. Den Autoren gelingt es, die faszinierende Entstehung der Landschaft in dem Bereich Deutschlands, der zurzeit am stärksten umgestaltet wird, schlüssig darzustellen und in einen Erklärungsrahmen einzuordnen. Diese Umgestaltung betrifft vor allem den Küstenbereich, die Entwaldungszonen mit der darauf folgenden Bodenbildung wie auch die Bereiche der Rohstoffgewinnung mit ihrer oft großflächigen Landschaftsbeeinflussung oder gar -umgestaltung (Abtorfung der Moore, Bergbau, Tagebau).
Die Autoren spannen einen Bogen von der Jungsteinzeit bis hin zur Moderne. Im ersten Teil des Buches beschreiben sie detailliert, welche Prozesse die Landschaft vor der Eiszeit geformt haben. Im zweiten Teil gehen sie auf die verschiedenen rezenten Natur- und Landschaftsräume ein, in die sich der Norden Deutschlands gliedert und erklären deren Entstehungsgeschichte. Am Ende zeigen sie auf, wie der Mensch die Landschaft in den letzten 7500 Jahren geprägt hat, um abschließend einen Überblick über die aktuellen Maßnahmen zum Schutz der Landschaft zu geben.
Eine Eigenständigkeit der Kapitel wird durch die Nummerierung der Abbildungen sowie separate Literaturverzeichnisse unterstrichen. Das Sachwortverzeichnis ist zielführend und umfangmäßig ausreichend.
Die Bilder sind hinsichtlich Zahl, Auswahl und Qualität hilfreich, ansprechend und aussagekräftig. Die Kombination von Karten mit transparenter Untergrundstopographie und Luft- bzw. Satellitenbildern oder thematischen Karten erleichtert den ersten Überblick, bietet aber darüber hinaus durch ihren Detailreichtum die Möglichkeit weitergehender, eigener Auswertung. Auch die Gegenüberstellung von seltenen Archivbildern und aktuellen Aufnahmen, die Exkurse, in denen konkrete Fragestellungen behandelt und die auf sie angewandten Methoden vorgestellt werden, steigern den Wert des Buches. Es eignet sich daher hervorragend auch für Exkursionsplanung und Nacharbeit.
Auch in einem Buch mit anspruchsvoller Zielsetzung sollte man an die Leserschaft denken, denen man durch kleinere didaktische Hilfestellungen die Lektüre bzw. das Selbststudium erleichtern kann. So wird stillschweigend angenommen, dass jeder Leser mit 10Be auch ohne Zusatzerklärung etwas anfangen kann. In Abb. 4.1 ist die gewählte Farbgebung unglücklich und zur Differenzierung nicht eindeutig. Die jeweils ganzseitigen Abbildungen 5.9 und 5.10 sind im Prinzip identisch. Die in Abb. 6.1 aufgeführten Eisrandlagen sind in Abb. 6.2 nicht zu finden (z. B. Velgaster-, Mecklenburger-, Brandenburger Stadium), obwohl auch der Text darauf Bezug nimmt. Bei Abb. 6.3 fragt man nach der möglichen Aussage. Dem Exkurs 6.4 hätte gut angestanden, das klassische Profil einer glazialen Serie beizugeben, um das Neue an der „Neuinterpretation" erkennen zu können. Auch die Angleichung der Schreibweise von Karte und Legende (Glogau – Glogow, Thorn – Torun in Abb. 6.12) sollte eindeutig geregelt werden.
Bei aller Detailkritik sollten aber einige ausgesprochen gute Beispiele hervorgehoben werden: So sind die Exkurse zur Schichtstufenentstehung in Norddeutschland und zum Muskauer Faltenbogen in Kombination mit den Abbildungen und Karten mustergültig gelungen. Auch die kartographische Gegenüberstellung von Böden (Abb. 4.23) und ackerbaulichem Ertragspotential (Abb. 4.24) stellt die Ursache-Wirkungskette klar heraus.
Manche (erwartbaren) Quellen sucht man allerdings vergeblich. So machen zwar Sylt bzw. die Nordseeküste einen Schwerpunkt des entsprechenden Kapitels „Nordsee" aus (z. B. 9 von 37 Abbildungen), jedoch fehlt der Hinweis auf den Geographie-Didaktiker Jürgen Newig, der über viele dieser küstenrelevanten Fragestellungen erstmals und am prägnantesten publizierte.
Insgesamt ist ein Werk entstanden, das den Vergleich mit Deutschlands Süden nicht zu scheuen braucht. Die Verbindung von Sachtexten und erläuternden Hinweisen in verständlicher Diktion mit ansprechenden Visualisierungshilfen ist gut gelungen und somit kann Deutschlands Norden nicht nur Geographen, sondern auch interessierten Laien sehr zur Lektüre empfohlen werden.

Prof. Dr. Volker Kaminske, Pfinztal

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Regina Oehler, Petra Gehring, Volker Mosbrugger (Hrsg.):
Biologie und Ethik:
Leben als Projekt.


Bereits Titel und Untertitel signalisieren, dass es sich hier um ein Buch handelt, das die Handlungsoptionen der modernen Biologie und die damit denkbar gewordenen Sichtweisen aufgreift. Leben als „Projekt" aufzufassen, das bedeutet, die Gestaltungsmöglichkeiten in den Vordergrund zu stellen und sich nicht dem Gegebenen zu fügen. Unweigerlich wirft dies Fragen nach dem rechten Handeln auf, gibt es doch – wie der Biologe Hubert Markl in dem Band hervorhebt – eine unverkennbare „Neigung des Menschen für Ethik und Moral". Sie liefert uns zwar keine Normen, hält uns aber dazu an, nach ihnen zu suchen und unser Leben nach ihnen auszurichten. Die Frage nach dem „Sollen" klingt denn auch mehr oder weniger explizit in allen Beiträgen an. Wie die Lebenswissenschaften selbst, so sind die Sichtweisen, die hier zur Sprache kommen, vielfältig. Neben Biologen kommen auch Philosophen (u. a. Hans Jonas), Theologen und Religionsvertreter (Wolfgang Huber, Papst Franziskus), eine Musikwissenschaftlerin (Melanie Wald-Fuhrmann) und Journalisten (u. a. Bettina Dyttrich, Florian Schwinn) zu Wort. Um dem polyphonen Konzert eine Struktur zu geben, haben die Herausgeber des Bandes – Regina Oehler, Neurobiologin und Wissenschaftsjournalistin, die das Funkkolleg „Biologie und Ethik" des Hessischen Rundfunks konzipierte, die Philosophin Petra Gehring von der TU Darmstadt und der Biologe Volker Mosbrugger, Generaldirektor der Senckenberg Gesellschaft für Naturforschung – die Beiträge um vier Themenblöcke gruppiert: Woher kommt der Mensch – Wohin geht der Mensch? – Was machen wir mit der Natur? – Woher nehmen wir unsere Maßstäbe? Die fünf Beiträge des ersten Themenblocks gehen auf eine interdisziplinäre Vortragsreihe 2016/17 im Senckenberg-Museum zurück, die übrigen wurden aus zum Teil lange zurück liegenden Publikationen von insgesamt 28 Autoren ausgewählt und wenn nötig gekürzt. Auch ein für die Öffentlichkeit verfasstes „White Paper zu Tierversuchen in der Max-Planck-Gesellschaft" findet sich darunter. Herausgekommen ist ein echtes Lesebuch, in dem anregende, in sich geschlossene Äußerungen, Kommentare, essayistische Abhandlungen und knappe Übersichten versammelt sind, die einen dazu verleiten, zwischen den Texten hin- und herspringen und Bezüge herzustellen. Stichworte wie Migration und Mobilität in der Menschheitsgeschichte, Hautfarben und ihre Bedeutung, Klonen, Genschere CRISPR/Cas, Anthropozän, „Diktat des Machbaren" versus „Ethik der Besonnenheit", Bioethik in Deutschland, Biodiversität und Globaler Wandel, Evolution in vier Dimensionen (Genetik, Epigenetik Verhalten und Symbole), Naturschutz, Tierwohl, „Naturalismus und Biologie" mögen eine Vorstellung von der Bandbreite geben. Die Texte sind engagiert geschrieben und werden nicht nur eine willkommene Ergänzung für die Hörer des Funkkollegs „Biologie und Ethik" sein. Das Buch dürfte sich hervorragend auch für den Schulunterricht eignen.

Rd

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