Buch-Tipps & Buchbesprechungen

     

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Danny Wolff, Markus Gebel, Fritz Geller-Grimm:
Die Raubfliegen Deutschlands.
Entdecken – Beobachten – Bestimmen.
Quelle & Meyer. Wiebelsheim 2018. 344 S., über 400 farb. Abb., 6 Tab., € 24,95/sFr. 37,90
 

ISBN 978-3494017334

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Wilfried Ließmann:
Steinreicher Harz  – Eine Gesteinskunde für Einsteiger und Fortgeschrittene
Quelle & Meyer. Wiebelsheim 2018. 288 S., 286 farb. Abb., 9 Tab. € 19,96/sFr. 31,90
 

ISBN 978-3494017341

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O. Gassmann, A. Schuhmacher, M. von Zedtwitz, G. Reepmeyer:
Leading Pharmaceutical Innovation: How to Win the Life Science Race.

3. grundlegend überarbeitete Auflage, Springer Verlag. Basel 2018. 179 S., € 74,89/sFr. 102,–
 

ISBN 978-3319668321

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S. Köstering:
Ein Museum für Weltnatur – Die Geschichte des Naturhistorischen Museums in Hamburg.
Abhandlungen des Naturwissenschaftlichen Vereins in Hamburg, Band 46. Dölling und Galitz Verlag. München 2018. 344 S., 80 Abb., € 30,–/sFr. 39,90
 

ISBN 978-3862181056

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W. Oschmann:
Leben der Vorzeit – Grundlagen der Allgemeinen und Speziellen Paläontologie.
 
Utb Verlag. Stuttgart 2018. 300 S., 250 Abb., € 29,99/sFr. 45,90
 

ISBN 978-3825248932

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Buchbesprechungen

   

 

Danny Wolff, Markus Gebel, Fritz Geller-Grimm:
Die Raubfliegen Deutschlands.
Entdecken – Beobachten – Bestimmen.

Zweiflügler (Mücken und Fliegen) zählen zu den ökologisch wichtigsten und artenreichsten (9100 Arten in Deutschland) Insekten-Ordnungen. Auch wenn sie sich in Mitteleuropa mit den Hautflüglern (9600 Arten: Bienen, Wespen, Ameisen etc.) ein Kopf-an-Kopf-Rennen um die Spitzenposition liefern, sind sie noch nicht so populär wie die hierzulande weit weniger artenreichen Käfer (6500 Arten) oder Schmetterlinge (3700 Arten).
Naturführer sind von nicht zu unterschätzender Bedeutung, um das Interesse an der faszinierenden Insektenwelt zu wecken und sie mehr in das Bewusstsein der Bevölkerung und der Wissenschaft zu rücken. Sie können das Interesse entfachen und ein bestehendes Interesse vertiefen. Aus eigener Erfahrung kann ich bestätigen, dass meine jugendliche Faszination an Insekten durch solche Naturführer vertieft wurde und dazu führte, dass ich heute als Entomologe tätig bin.
Dieses handliche, geländetaugliche Buch behandelt eine zu Unrecht vernachlässigte Gruppe der Insekten und schließt damit eine schmerzliche Lücke in den verfügbaren Naturführern.
Im Laufe meiner Karriere habe ich sehr viele Naturführer in den unterschiedlichsten Ländern benutzt und kann nur feststellen, dass das vorliegende Buch eine Ausnahmeerscheinung ist:
Besonders deswegen, weil nicht nur die auffälligen Arten, sondern wirklich alle 85 (10 davon mit fraglichem Vorkommen) in Deutschland vertretenen Raubfliegen ausführlich besprochen werden: ein Anspruch an Vollständigkeit, den nicht viele Autoren erfüllen, selbst wenn sie eine etwa gleich große Tiergruppe vorstellen. Zum anderen ist es ein mit vielen außergewöhnlich guten Bildern bestücktes Buch, das wirklich jeden Aspekt über Raubfliegen abdeckt und keine Wünsche offen lässt. Wie es zu einem so gelungenen Werk kommen konnte, lässt sich am besten mit der Zusammensetzung des Autorenteams erklären: Der Erstautor Danny Wolff hat sein Hauptinteresse auf die Biologie und Verbreitung vor allem der deutschen Arten fokussiert. Über Jahre hinweg hat er eine beeindruckende Datenbank von Funddaten erstellt, die sich in den sehr hilfreichen Verbreitungskarten und den Flugzeittabellen in dem Buch manifestieren. Die sorgfältige Auswertung von Literatur und Sammlungen sowie eigene Beobachtungen bilden eine sehr solide Datengrundlage. Markus Gebel ist verantwortlich für die Lebendaufnahmen, die in ihrer Qualität nicht zu übertreffen sind (und zur Folge haben, dass ich wohl nie wieder den Versuch machen werde, eine lebende Fliege selbst zu photographieren). Die Schärfe und Ästhetik dieser Bilder werden jeden Naturliebhaber in den Bann ziehen und sind allein schon Grund genug, dieses Werk zu erstehen. Ebenso bemerkenswert ist, dass Markus Gebel unermüdlich daran gearbeitet hat, alle in Deutschland vorkommenden Arten selbst aufzunehmen. Dies stellt eine herausragende Leistung dar, vor allem, da er jede Art spektakulär ins Bild gesetzt hat. Dadurch wird auch eine Einheitlichkeit der Portraits erreicht, die den Vergleich der Arten miteinander vereinfacht. Fritz Geller-Grimm hat einen reich illustrierten Bestimmungsschlüssel für alle deutschen (und potentiell in Deutschland vorkommenden) Arten erstellt.
Das Buch ist in vier Teile gegliedert. Im ersten, von Danny Wolff verfassten allgemeinen Teil mit seinen 14 Kapiteln erfährt man alles Wissenswerte über Raubfliegen auf fast 130 Seiten: ihre Erkennungsmerkmale, die Geschichte ihrer Erforschung (inklusive Porträts wichtiger Wissenschaftler), ihre Stammesgeschichte und die aktuell diskutierten Verwandtschaftsbeziehungen der Gattungstaxa. Auf ein sehr interessantes Kapitel über die Bedeutung der wissenschaftlichen Artnamen folgt ein reich bebildertes Kapitel über die Individualentwicklung. Es schließt sich ein weiteres, sehr ausführliches über die vielfältigen Lebensweisen der Raubfliegen an, welches über das Sexualverhalten und Jagdverhalten ebenso fachkundig unterrichtet wie über Mimikry und Verteidigung. Raubfliegen als Nützlinge bzw. Schädlinge, Lebensräume, Verbreitung und sehr aktuell die Gefährdungslage der Raubfliegen (nahezu die Hälfte der deutschen Arten ist auf der Roten Liste) sind weitere Themen, die ausführlich behandelt werden. Sehr praxisbezogen ist eine Einführung in das Fangen und Sammeln von Raubfliegen und das Photographieren (ein Kapitel, das Markus Gebel beisteuerte, der einige seiner Tricks und Erfahrungen verrät). Abschließend werden z. T. sehr konkrete „Anregungen für weitere Untersuchungen“ gegeben; so gibt es noch manche Wissenslücken zur Biologie der Arten und es ist durchaus damit zu rechnen, dass es in Mitteleuropa noch nicht entdeckte Arten gibt.
Der zweite Teil enthält auf 30 Seiten den erwähnten Bestimmungsschlüssel von Fritz Geller-Grimm mit einer sehr klaren Einführung in den Körperbau der Raubfliegen. Dieser Schlüssel dürfte für den Anfänger an manchen Stellen nicht einfach zu handhaben sein, da man zum Erkennen einiger Merkmale eine Handlupe oder gar ein Binokular benötigt. Doch das Bestimmen von Insekten auf Artniveau ist alles andere als einfach und oft weit komplizierter als allgemein angenommen, und es benötigt viel Übung und Geduld, bis man zum Spezialisten einer Insekten-Gruppe wird. Ein solch vollständiger, auf jahrzehntelanger Erfahrung beruhender Schlüssel ist selbst für professionelle Entomologen von unschätzbarem Wert, und wer nicht schnell aufgibt, wird durch die Benutzung des Schlüssels sehr viel über diese faszinierenden Tiere und ihre Anatomie erfahren. Viele andere Naturführer bilden nur die häufigen und auffälligen Arten ab und verleiten so den Benutzer schnell zu einer oftmals falschen Bestimmung zu kommen.
Der dritte Teil mit den Artenporträts von Danny Wolff und den Photos von Markus Gebel ist das Kernstück des Buches: Auf einer Seite werden für jede Art die Merkmale, Flugzeit, Gesamtverbreitung (mit deutscher Verbreitungskarte), Lebensraum und Biologie besprochen, und auf der gegenüberliegenden Seite befindet sich das Porträt der jeweiligen Art. Dass man in dem aufgeschlagenen Buch alle wichtigen Informationen auf einen Blick vor sich hat, ist eine herausragende Eigenschaft dieses Naturführers, dem der Spagat zwischen informativem Text und aussagestarken und zugleich ästhetischen Bildern geglückt ist.
Der vierte Teil enthält ein ausführliches Literaturverzeichnis, das alle wichtigen Quellen auflistet, sowie ein nicht allein für Laien hilfreiches Glossar.
Die Zusammenarbeit dieser Autoren mit ihren unterschiedlichen Schwerpunkten, vereint durch ihre Leidenschaft für diese Fliegenfamilie, hat diesen einzigartigen, vielseitigen und vorbildlichen Naturführer ermöglicht. Er bietet einem sehr breiten Publikum, vom Biologie-Studenten, Naturliebhaber, Landschaftspfleger bis hin zum professionellen Entomologen, einen faszinierenden Einstieg in die Welt der Raubfliegen. Das kompakte Format und die solide Bindung erlauben es, dieses Buch bei Ausflügen in die Natur immer mit sich zu führen.
Man kann sich nur wünschen, dass weitere Gruppen der Zweiflügler auf einem derart hohen Niveau vorgestellt werden. Die Messlatte ist mit dem vorliegenden Werk hoch gelegt.

Dr. Martin Hauser, Sacramento, CA/USA

 

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Wilfried Ließmann:
Steinreicher Harz  – Eine Gesteinskunde für Einsteiger und Fortgeschrittene

Im Flachland Norddeutschlands ragt der aus vielfältigen paläozoischen Gesteinen bestehende Harz deutlich heraus; es ist daher nicht überraschend, dass dieser bei Geowissenschaftlern und gesteinskundlich interessierten Laien auf besonderes Interesse gestoßen ist und dies weiterhin tun wird. Einige geowissenschaftlich ausgerichtete fachliche Führer bzw. Anleitungen über Harz-Gesteine gibt es bereits auf dem Buchmarkt; jetzt ist diese Reihe durch ein klar gesteinskundlich ausgerichtetes, im Format sehr handliches Büchlein erweitert worden, das auf einer früheren, vom selben Autor herausgegebenen Broschüre über einen gesteinskundlichen Lehrpfad bei St. Andreasberg im Westharz beruht. Der Autor ist ein ausgewiesener Gesteinskundler, der als wissenschaftlicher Mitarbeiter an der TU Clausthal im Bereich Lagestättenkunde tätig ist und sich erhebliche Verdienste um die Bereiche des historischen Bergbaus (Hauptwerk von W. Ließmann: Historischer Bergbau im Harz) sowie die Betreuung von Gesteins- und Mineraliensammlern erworben hat. Diese Erfahrungen sind dem Buch zu Gute gekommen, das sehr inhalts- und kenntnisreich ausgefallen ist. Nach einer Einführung in die allgemeine Gesteinskunde werden die verschiedenen Gesteine im Harz und deren jeweilige Verbreitung beschrieben, wobei mineralogisch-gesteinskundliche Aspekte deutlich im Vordergrund stehen. Bei Sedimentgesteinen, etwa den verschiedenen Grauwacken-Serien, wird nur die heute übliche Alterseinstufung genannt und nicht auf die dafür wichtigen Fossilreste (z.B. Funde von Conodonten) eingegangen. Das Büchlein ist auffallend reich bebildert, neben Diagrammen finden sich farbige Abbildungen von Aufschlüssen, Gesteinshandstücken und auch Aufnahmen von Gesteins-Dünnschliffen unter dem Polarisationsmikroskop. Fast alle Abbildungen haben eine gute Qualität, nur wenige sind etwas zu flau (etwa auf S. 170 oben) oder etwas zu dunkel geraten (z.B. auf S. 99). Etwas unüblich ist, dass sie keine Nummer haben. Das Literatur-Verzeichnis des Buches umfasst knapp 100 Titel (wobei man einige im Text genannte Autoren vermisst) und enthält die wichtigsten gesteinskundlichen Arbeiten über Harz-Gesteine. Sehr praktisch sind die letzten 10 Seiten mit Angaben über bedeutende Aufschlüsse und Gesteinsfundpunkte im Harz (mit Rechts- und Hochwerten der entsprechenden Kartenblätter) – hier zeigt sich die große Erfahrung und Geländekenntnis des Autors.
Für geowissenschaftliche und besonders gesteinskundliche Geländearbeiten und Exkursionen im Harz hat dieses informative Taschenbuch einen hohen Nutzwert. Allein sein kleines Format macht es zu einem idealen Begleiter bei allen Reisen und Begehungen. Der Preis ist angesichts des Gebotenen angemessen. Wenn man vom Untertitel des Buches ausgeht, vermute ich, dass sein Nutzen für Fortgeschrittene vielleicht noch etwas größer als sein wird als für Einsteiger.

Prof. Dr. Dierk Henningsen, Garbsen

 

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