Buch-Tipps & Buchbesprechungen

     

Die vorgestellten und besprochenen Titel können Sie direkt per E-mail über die
dav-Buchhandlung bestellen.

Für Buchbestellungen jeglicher Art wählen Sie bitte http://www.dav-buchhandlung.de

 

   


Gerhard Vollmer:
Im Lichte der Evolution – Darwin in Wissenschaft und Philosophie.
S. Hirzel Verlag. Stuttgart 2017. 613 S., 15 Tab., € 39,–/sFr. 52,–
 

ISBN 978-3777626178

zur Buchbesprechung

bestellen
 

   


Harald Lesch, Klaus Kamphausen:
Die Menschheit schafft sich ab. Die Erde im Griff des Anthropozäns.
Verlag Komplett-Media. München 2016. 520 S., zahlr. Abb., € 29,95/sFr. 43,90
 

ISBN 978-3831204243

zur Buchbesprechung

bestellen
 

   


Ernst Peter Fischer:
Treffen sich zwei Gene. Vom Wandel unseres Erbguts und der Natur des Lebens.
Siedler Verlag. München 2017. 336 S., 17 s/w-Abb., € 24,99/sFr. 33,90
 

ISBN 978-3827500755

zur Buchbesprechung

bestellen
 

   


R. Baumhauer, C. Kneisel, S. Möller, B. Schütt, E. Tressel:
Einführung in die Physische Geographie.
WBG. Darmstadt 2017. 320 S., 55 Abb., Bibliogr., Reg., € 29,95/sFr. 41,90
 

ISBN 978-3534268696

bestellen

 

   


W. Holtz-Honig:
„Der erste Weltmann der Familie“ – Bernd Freiherr von Droste zu Hülshoff.
Ein Leben für die Ökologie und das Welterbe.
Olms Verlag. Hildesheim 2016. 204 S., 22 Abb., € 19,80/sFr. 26,90
 

ISBN 978-3487085913

bestellen

 

   


D. Ionesco, D. Mokhnacheva, F. Gemenne:
Atlas der Umweltmigration.
Hrsg. von der International Organization for Migration. Oekom Verlag. München 2017. 76 S., Grafiken und Abb., € 22,-/sFr. 31,90
 

ISBN 978-3958531873

bestellen

 


   


Buchbesprechungen

     

Gerhard Vollmer:
Im Lichte der Evolution
– Darwin in Wissenschaft und Philosophie.

Das Buch von Gerhard Vollmer vermittelt am Beispiel von mehr als 50 Disziplinen einen Eindruck von der ungebrochenen Bedeutung des Evolutionskonzeptes. Evolution im Sinne Darwins ist heute in aller Munde. Dabei wird manchmal übersehen, dass der Begriff älter ist als die Evolutionstheorie des ersten und berühmtesten Evolutionsbiologen selbst. Die Entdeckung, dass die heutige Vielfalt der Lebewesen Produkt einer über Jahrmillionen anhaltenden Entwicklung ist, gehört zu den grundlegenden Erkenntnisse der Naturwissenschaften, die weit über die Biologie hinaus ausstrahlen. Wie fruchtbar die Evolutionstheorie sein kann, hat Gerhard Vollmer selbst vorgeführt, der als Physiker und Philosoph die Evolutionäre Erkenntnistheorie mit aus der Taufe gehoben hat, die natürlich auch in dem vorliegenden Buch Erwähnung findet. Unter anderem fragt er (S. 363): „Wie kommt es, dass die (subjektiven) Strukturen menschlicher Erkenntnis auf die (objektiven) Strukturen der Realität in der Regel so gut passen?“
Vollmer vertritt wie in seinen bisherigen Schriften auch in seinem neuen Werk auf wohltuend sachliche, nicht missio­narische Weise ein naturalistisches Weltbild, in dem außernatürliche Kräfte keinen Platz haben. In diesem Sinne wurde die biologische Evolutionstheorie zunächst von jenen aufgegriffen, die sich der körperlichen, d. h. materiellen Seite der Organismen widmen, inzwischen werden zunehmend jene errreicht, die sich mit dem Geist des Mensch befassen.
Das Spektrum des Buches reicht von der Astrophysik über die Medizin, bis hin zur Psychologie und zu den Zukunftsfragen etwa der Sozial- und Politikwissenschaften. Es handelt sich geradezu um ein Kompendium, in dem die Vielfalt der Themen in vier Teilen mit zahlreichen Kapiteln erschossen wird. Teil A, überschrieben mit Über Evolution, legt in fünf Kapiteln die Grundlagen für alles Weitere: Hier geht es um die Evolution bzw. Evolutionstheorie primär im biologischen Sinne und um die Frage, inwieweit der Begriff auch für andere Felder der Natur- und Geisteswissenschaften sinnvoll ist. Vollmer hält alle Versuche, den verallgemeinerten Evolutiongsbegriff, der längst gängig ist, nachträglich allein auf die Biologie zu beschränken, für nicht zielführend (S. 27), zugleich diskutiert er Kriterien, die helfen können, einem uferlosen Gebrauch des Evolutionsbegriffs zuvorzukommen.
Im Teil B, Darwin in den Wissenschaften, wird der ganze „evolutionäre Fächer“ aufgespannt, mit 44 Kapiteln, die den verschiedensten Wissenschaftsdispziplinen gewidmet sind. Mit 264 Seiten fällt dieser Teil am umfangreichsten aus. Wie bei Teil A wird am Ende ein Fazit gezogen. In Teil C, Darwin und die Philosophie, behandelt Vollmer in fünf Kapiteln Darwins Beziehung zur Philosophie und im vierten Teil D, Darwin in der Philosophie, schreibt er über „Teilgebiete evolutionärer Philosophie“, also über jene primär nicht-biologischen Disziplinen, in die die Evolutionstheorie Eingang gefunden hat.
Das Buch ist gut und leicht lesbar und bietet immer wieder Neues und Überraschendes. Es ist so geschrieben, dass man sich durch die 69 Kapitel in beliebiger Reihenfolge durchschmökern kann. Für das Verständnis ist es gleichwohl hilfreich, die im ersten Teil dargelegten Grundgedanken zuerst zu lesen: Der Autor stellt tabellarische Übersichten zur Verfügung, wie er denn überhaupt immer den Leser im Blick hat und sich einer klaren und gut verständlichen Sprache auch dann bedient, wenn es um komplexe Sachverhalte geht.
Weiterführende Ergänzungen und Erläuterungen finden sich in über tausend informativen Fußnoten auf fast hundert Seiten. Es war zweifellos ein aufwendiges Unterfangen, zu jeder evolutionären Disziplin und und zu jedem evolutionären Teilgebiet Substantielles zu schreiben. Vollmer schreibt auf Seite 57: „Natürlich könnten wir nach weiteren [...] Disziplinen fahnden“, indem man den Buchumfang verdoppelt. Dann könnte man auch Fachbereiche berücksichtigen, die evolutionäre Grundlagen haben, diese aber nicht besonders betonen, wie etwa die Chronobiologie einschließlich der Schlaflaborforschung.
Bei der verständlichen Selbstbeschränkung von Gerhard Vollmer sei es gestattet, dass der Rezensent den Blick auf Bereiche richtet, die ihm besonders vertraut sind, nämlich die Humanethologie und Psychologie/Psychotherapie. Dabei ist zunächst eine ernüchternde Feststellung zu treffen:
Trotz der von Vollmer beschriebenen evolutionstheoretischen Erfolgsgeschichte gibt es noch Universitäten, Institute und andere Bildungseinrichtungen, deren Vertreter die Evolutionstheorie vernachlässigen, etwa die eher geisteswissenschaftlich fundierte Psychotherapie: Einzelne Vertreter des Theorienkomplexes Bindungstheorie, Inzest- und Trauerforschung könnten ihre Lehre und Forschung und damit auch die therapeutische Praxis optimieren, indem sie auf der Grundlage der Ethologie die Erkenntnisse der Evolutionstheorie einfließen ließen. Auch angesichts der Tatsache, dass die Paartherapie im psychotherapeutischen Alltag eine große Rolle spielt und Genderforschung in der Medizin modern ist, ist und bleibt es ein Versäumnis, dass die evolutionsbiologischen Denkansätze der Humanethologie und Soziobiologie zur Geschlechterdifferenz nicht selbstverständlicher Teil der universitären Ausbildungscurricula von Psychotherapeuten und medizinischen Psychologen sind. Es ist zu empfehlen, diesen interdisziplinären Aspekten mehr Gewicht in Lehre und Forschung einzuräumen.
Und es ist zu hoffen, dass Vollmers neues Werk mit dazu beiträgt, die Grenzen der Fachdisziplinen zu überwinden und die oft selbstauferlegten Disziplinierungen zwischen Natur- und Geisteswissenschaften zu lockern. Die Fülle des von ihm zusammengetragenen und gesichteten Materials zeigt deutlich: Keine Theorie hat für den Erkenntnisgewinn über die Natur des Lebens eine ähnlich große Bedeutung wie die Evolutionstheorie. Gerhard Vollmer schreibt auf Seite 19: „Erst durch die Evolutionstheorie hat die Biologie ein einheitliches Fundament erhalten …“. Dabei kommt Gerhard Vollmer auch auf Hypothesen- und Theorienbildungen zu sprechen, die rein rational – und ohne Evolutionstheorie – nicht so schlüssig möglich geworden wären, etwa die Frage, ob Tiere Emotionen und Gefühle haben. Auch in allem Menschlichen hat die Evolution ihre Spuren hinterlassen. In den Humanwissenschaften käme rein theoretisch auch Wissenschaften, in denen die Evolutionslehre meistens keine größere Rolle spielt, wie der Genetik, Neurophysiologie, Neurobiologie und der Neuropsychologie eine ähnliche Bedeutung zu, Bereiche, die Vollmer auch erwähnt. Allerdings können bisher die Genetik und die Neurowissenschaften bei weitem nicht mit der Evolutionsbiologie hinsichtlich Theorienbildung und hinsichtlich der Brücken zwischen den Wissenschaften mithalten. Nicht nur historisch gesehen, sondern bis heute wirkt sich das Leib-Seele-Problem – ein zentrales Problem an der Nahtstelle der Geistes- und Naturwissenschaften – spaltend und ausgrenzend auf die Wissenschaften vom Menschen aus. Aber wir verdanken es Darwin, dass die Kluft immer besser überbrückt werden kann. Auch für die Wissenschaften vom Menschen darf man deshalb mit Vollmer sagen, dass sie erst „durch die Evolutionstheorie ein einheitliches Fundament erhalten“ haben. Das wird mit diesem umfassenden Buch verdeutlicht; es vermittelt Zusammenhänge die man innerhalb der eigenen Fachgrenzen nicht finden würde. Vor allem, aber nicht nur in diesem Sinne, ist es uneingeschränkt und unbedingt zu empfehlen.

Dr. med. Gerhard Medicus, Innsbruck 

 

 nach oben
 

     

Harald Lesch, Klaus Kamphausen:
Die Menschheit schafft sich ab.
Die Erde im Griff des Anthropozäns.

Man kennt Lesch als einen Wissensvermittler, der nicht davor zurückschreckt, auch unangenehme Wahrheiten auszusprechen. So hat er zuletzt einen Teil des Wahlprogramms der Alternative für Deutschland (AfD) zu den Themen Klimawandel und Energiewende einem wissenschaftlichen Faktencheck unterzogen und sich damit der Kritik der Partei und ihrer Anhänger ausgesetzt. Der Astrophysiker mit einer Professur an der Ludwig-Maximilians-Universität München und einer zusätzlichen Dozentur an der IHS Hochschule für Philosophie, ebenfalls in München, ist nicht nur ein ausgewiesener Fachmann, sondern auch ausgesprochen medienpräsent. Dabei helfen ihm eine eingängige Sprache und die Fähigkeit, auch komplexe Themen leicht verständlich darzustellen.
Jetzt hat Lesch, der auch Mitglied des Bayerischen Klimarats ist, zusammen mit dem Journalisten Klaus Kamphausen unter dem anspielungsreichen Titel Die Menschheit schafft sich ab ein provokantes Buch über ein Thema geschrieben, das ihm schon länger ein Anliegen ist: die Ausbeutung der Erde durch den Menschen. Es handelt sich dabei nicht um ein nüchtern-informatives Sachbuch, wie man es von einem Physiker erwarten könnte. Es ist vielmehr ein einerseits faktenorientiertes und zugleich doch emotionales, fast missionarisches Buch, das den Leser aufrütteln und zum Handeln bewegen soll. Dass Lesch damit die breite Masse anspricht, lässt sich daran erkennen, dass das Buch inzwischen zu einem Spiegel-Bestseller geworden ist.
Ein Vierzeiler auf der Rückseite des Buches fasst die Botschaft lakonisch-zynisch zusammen: Für die Erde selbst ist es irrelevant, ob sich die Jahresdurchschnittstemperatur erhöht, die Polkappen abtauen oder die Meere versauern. Auch die „Natur“ wird sich zwar verändern, aber letztlich anpassen. Es ist der Mensch, der sich den Klimawandel und seine Folgen nicht leisten kann, wenn er überleben will.
Die Menschheit schafft sich ab bietet eine ökologische Bestandsaufnahme – ähnlich der berühmten „Club of Rome“-Veröffentlichung Grenzen des Wachstums von 1972. Dazu beginnt Lesch mit seinen Ausführungen bei der Entstehung der Erde und des Lebens und führt wie im Zeitraffer kompakt und informativ von der Menschwerdung durch die „Fort-Schritte“ auf dem Weg zum Anthropozän. Nach diesem kurzen Abriss der menschlichen Kulturgeschichte mit ihren verschiedenen technischen und wissenschaftlichen Innovationen gelangt er ins Heute und geht anschließend ausführlich auf die bekannten und weniger bekannten Folgen des ungebremsten Bevölkerungswachstums und Ressourcenverbrauchs ein. Immer wieder zeigt das Buch auch Lösungsvorschläge auf, beispielsweise indem es auf Möglichkeiten zur alternativen Energiegewinnung eingeht. Durchweg bedient sich Lesch einer Alltagssprache, die für seine Vorträge typisch ist, geschrieben dagegen für manchen gewöhnungsbedürftig sein mag. Dabei ist der Stil oft betont flappsig und arbeitet mit Zuspitzungen und drastischen Vergleichen, die stellenweise etwas aktivistisch daherkommen. Dies soll einerseits aufrütteln, andererseits aber wohl vor allem den interessierten Durchschnittsbürger ansprechen und ihm die Angst vor wissenschaftlichen Zusammenhängen nehmen.
Insgesamt haben die beiden Autoren eine Unmenge an Fakten zusammengetragen – oft in Zahlen und Diagrammen dargestellt – und damit eine gewaltige Leistung erbracht. Das Buch dient somit als Informationsquelle zu allen relevanten Aspekten des Klimawandels, ohne durch Komplexität zu überfordern. Gleichzeitig bietet es einen Anstoß das eigene Konsumverhalten zu überdenken.
Vor allem im letzten Teil des Buches lassen die Autoren viele Experten aus unterschiedlichen Fachrichtungen, Organisationen, Parteien und Medien auch außerhalb der Wissenschaft zu Wort kommen. So deutet der evangelische Landesbischof Heinrich Bedford-Strohm in einem Essay das Bibelzitat „Macht Euch die Welt untertan“ neu und löst damit den scheinbaren Widerspruch zum nachhaltigen Lebensstil auf. Außerdem spricht Lesch mit dem Kieler Klimaforscher Mojib Latif, der ebenfalls für seine Dialogbereitschaft mit der Bevölkerung bekannt ist, sowie mit Ernst Ulrich von Weizsäcker, einem der Präsidenten des Club of Rome.
Vielleicht möchte nicht jeder das vielseitige und reich bebilderte Buch als Ganzes lesen. Manches kann überblättert werden, wenn entsprechendes Vorwissen da ist. Es gibt sicher auch Gedanken und Meinungen im Buch, die der einzelne Leser nicht teilen mag. Dennoch ist Die Menschheit schafft sich ab ein wichtiges Buch, das bewusst provozieren und damit zum Umdenken und Handeln anregen will, und es ist gut, dass Lesch seine Popularität dafür nutzt. Hoffen wir, dass er damit Erfolgt hat!
Dr. Larissa Tetsch, Maisach.
 
Dr. Larissa Tetsch, Maisach

 nach oben
 

   

 

Ernst Peter Fischer:
Treffen sich zwei Gene.
Vom Wandel unseres Erbguts und der Natur des Lebens.

Wissenschaftshistorischer Blick auf die Geschichte der Genforschung? Oder Sammlung unterhaltsamer Anekdoten rund um den Begriff „Gen“? Ernst Peter Fischer scheint sich in seinem neuesten Buch nicht entscheiden zu können. Und genau dies macht das Buch sehr lesenswert und kurzweilig. Der Leser wird zwar über Daten und Fakten in der Geschichte der genetischen Forschung informiert, aber diese eher trockene Information ist in zahlreiche, lebendig erzählte Beispiele eingebettet. So erfährt man, dass Elefanten nur sehr selten Krebs bekommen, was möglicherweise daran liegt, dass bei ihnen das vor malignen Erkrankungen schützende Gen TP53 in mehreren Kopien vorkommt. Ob allerdings Homo sapiens-Frauen tatsächlich männliche Neandertaler attraktiv fanden, weil sie einen von einem starken Immunsystem gesteuerten Körperduft verströmten? Man könnte sich durchaus andere, allerdings bei weitem nicht so romantische Erklärungen für die Anwesenheit von Neandertaler-Sequenzen in unseren Genomen vorstellen. Leider haben sich einige kleinere sachliche Fehler eingeschlichen. So werden im Kapitel Onkologie die Gene BRCA1 und BRCA2 angeschuldigt, für Gebärmutterhalskrebs verantwortlich zu sein. Tatsächlich spielen bei diesem Tumor Papillomviren eine entscheidende Rolle, während die DNA-Reparaturgene BRCA1 und BRCA2 insbesondere für Brust- und Eierstockkrebs ursächlich sein können. Von solchen kleineren Ungenauigkeiten abgesehen handelt es sich um ein Buch, das in unterhaltsamer Weise eine Fülle von wissenschaftshistorischen Fakten und aktuellen Forschungsergebnissen vermittelt. Für wissenschaftlich interessierte Leser stellt es eine ideale Lektüre dar, um sich während einer längeren Zugfahrt oder einem verregneten Wochenende entspannt mit diesem Thema zu befassen und dabei dem Autor auf zahlreichen Gedankenwegen zu folgen, welche nicht immer in direktem Zusammenhang mit dem Thema des Buches stehen, aber dennoch fesseln. Der Leser sollte sich nur bewusst sein, dass auch nach mehr als 300 Seiten weiterhin unklar bleibt, was ein Gen eigentlich ist und dass er das Buch womöglich mit dem Gefühl beiseitelegt, es sei eigentlich an der Zeit, sich von dem Wort „Gen“ zu trennen. Oder sollte man diesen Begriff mit einer wesentlich enger gefassten Definition belegen? Das würde wiederum dazu führen, neue Begriffe für die zahlreichen Gruppen von Sequenzen zu schaffen, die zwar ebenfalls genetische Information vermitteln oder modifizieren, aber so gar nicht in das traditionelle Schema DNA-Sequenz – mRNA – Protein passen. Auch der Autor scheint es spätestens im letzten Drittel seines sehr lesenswerten Buches aufgegeben zu haben, den Begriff „Gen“ neu zu definieren. Zumindest kommt er auf dieses Thema nicht mehr zu sprechen. Aber vielleicht ist das auch nicht nötig, denn wenn man Gene als sich ständig wandelnde Prozesse, statt als starre biologische Einheiten begreift, dann könnte dies der Wahrheit sehr nahe kommen.

Prof. Dr. Ortrud Steinlein, München.
 

 nach oben