Buch-Tipps & Buchbesprechungen

     

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Tom Jackson:
Alles ist Chemie – Die chemischen Elemente und wie wir sie nutzen.
Dorling Kindersley. München 2017. 208 S., über 1000 Abb., Poster, € 16,95/sFr. 28,90
 

ISBN 978-978-3831033393

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Thomas Sterba:
Die Süßwasserfische des Karl von Meidinger.
Mit naturhistorischen Illustrationen aus vier Jahrhunderten.
Basilisken-Presse, Natur & Text GmbH. Rangsdorf 2018. 660 S., 609 Abb. in Farbe und SW. Subskriptionspreis € 119,– bis 15. Juni 2018; danach € 149,–
 

ISBN 3941365575

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L. Biss:
Microsculpture – portraits of insects.

Verlag Abrams. New York 2017. 144 S., € 25,44/sFr. 49,90
 

ISBN 978-1419726958

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F.-J. Brüggemeier:
Grubengold.
Das Zeitalter der Kohle von 1750 bis heute.
C.H. Beck. München 2018. 456 S., 24 Abb., € 29,95/sFr. 48,90
 

ISBN 978-3-406-72221-9
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S. Brönnimann:
Klimatologie.

Utb. Stuttgart 2017. 320 S., 110 Abb., 20 Tab., € 24,99/sFr. 36,90
 

ISBN 978-3825248192

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Buchbesprechungen

   

 

Tom Jackson:
Alles ist Chemie –
Die chemischen Elemente und wie wir sie nutzen.

Pünktlich zum 150. Geburtstag des Periodensystems der Elemente, kurz PSE, im nächsten Jahr, verschafft das aufwendig bebilderte Buch, das im englischen Original (das Tom Jackson als Autor ausweist, der in der deutschen Ausgabe lediglich als Verfasser des Vorworts auftaucht) schlicht The Periodic Table Book heißt, einen optisch beeindruckenden Einblick in alle aktuell 118 bekannten, natürlichen und künstlich erzeugten Elemente. Von Wasserstoff (1) bis zum schwersten künstlich geschaffenen Element Oganesson (118) geht die kurzweilige Reise, die man allerdings in Etappen genießen sollte, da man sonst von der Wucht der Bebilderung schnell übersättigt werden kann.
Aufgeteilt in Vorkommen und Verwendung führt das Werk mit ausreichend kurzen und verständlichen Texten in die Welt jedes der 118 Elemente ein. Je nach Bedeutung wird den Elementen eine Doppelseite oder auch nur eine oder eine halbe Seite gegönnt. Nicht ganz logisch ist die Reihenfolge der vorgestellten Elemente. Anstatt zunächst die Haupt- und Nebengruppen gefolgt von den Lanthanoiden und Actinoiden abzuarbeiten, geht es munter durch das PSE. Auch wirken manche Seiten reichlich überladen mit Photos von Mineralien und Verwendungen, so dass man als Leser den Überblick verlieren kann und nicht weiß, wo man zuerst hinschauen soll.
Mehr als Informationshäppchen kann das Werk nicht bieten, und ein Schulbuch zum Thema Chemie kann es nicht ersetzen, wohl aber sinnvoll ergänzen. Aufgrund der komplexeren Leseführung ist das Buch eher für Jugendliche als für Kinder geeignet, aber auch Erwachsene und junggebliebene Wissenschaftler dürften ihre Freude beim Durchblättern haben. Sie werden dann an den über 1000 Photos und Graphiken, die das ganze Werk fast zu einem Bilderbuch machen, Gefallen finden.
Die Verwendungen zeigen interessante, manchmal überraschende Alltagsbeispiele, die nicht nur die Vielfalt der Elemente, sondern der Chemie in ihrer ganzen Breite zeigen. Dabei wird deutlich: Ohne Chemie, die nun gerade nicht von sehr vielen Schülern (aber auch Erwachsenen) geliebt wird, läuft in unserem täglichen Leben gar nichts!
Ansprechend gestaltet und informativ sind dezidiert eingesetzte anschauliche Graphiken, die beispielsweise das Recycling von Aluminium oder den Stickstoffkreislauf erklären. Wo es sich anbietet, werden Superlative der Elemente hervorgehoben, garniert mit interessanten Daten und Fakten. Auch historische Sachverhalte kommen nicht zu kurz, etwa, dass Bauern bis ins 18. Jahrhundert hinein das Bariummineral Witherit als Rattengift nutzten. Man erfährt auch, was das superschwere Edelmetall Iridium mit dem Dinosauriersterben vor über 65 Millionen Jahren zu tun hat und warum Indium, wenn es gebogen wird, „schreit“, oder dass das radioaktive und künstliche Element Americium sehr oft Anwendung zuhause findet: Als Bestandteil von Rauchmeldern sorgt es für Stromfluss, indem es Luft leiten lässt. Rauch unterbricht den Fluss und löst Alarm aus.
Viele Einsatzbereiche heben auf technische Highlights ab, etwa welche Elemente bei Marsrobotern eine wichtige Rolle spielen und warum Rennwagen mit einem stickstoffhaltigen Superkraftstoff namens Nitromethan abgehen wie eine Rakete. Man erfährt, dass Blut von Krebsen blau ist, weil es Kupfer enthält, und dass Yttrium, das immerhin 400mal häufiger in der Erdkruste vorkommt als Silber, ein ziemlich unterschätztes, aber vielseitig verwendbares Metall ist (Laser, LED-Lampen, Photolinsen, Supraleiter).
Beim Silber wird auf die veraltete Photographie eingegangen, dagegen nicht auf seine aktuell wichtige Verwendung in elektrischen Leiterbahnen von Solarzellen. Hier wären aktuellere Beispiele wünschenswert. Bei Schwefel wiederum wird Bezug zum sauren Regen genommen, ein Thema, das immer noch aktuell ist, aber in der Öffentlichkeit kaum noch wahrgenommen wird.
Verwirrend ist, das Thulium und Promethium als das seltenste Lanthanoid bezeichnet werden. Hier und an manch anderer Stelle hätte das deutsche Lektorat etwas sorgfältiger arbeiten können. Nicht immer stimmen die Zahlen, auch fehlen leider zur Orientierung die physikalischen Daten wie Schmelz- und Siedepunkte sowie Dichte. Der Atomaufbau wird anfangs kurz erklärt, beschränkt sich aber auf das Schalenmodell. Wer mehr chemische und physikalische Details der einzelnen Elemente wissen möchte, muss auf einschlägige Sachbücher zurückgreifen (wie H.-J. Quadbeck-Seegers Die Welt der Elemente, VCH, oder L. Truebs Die chemischen Elemente – Ein Streifzug durch das Periodensystem, Hirzel Verlag). Aber wenn einer der jungen Leser der Zielgruppe anschließend so fasziniert ist von der Chemie, dass er dieses Fach später vielleicht sogar studieren möchte, dann hat das Buch schon viel erreicht.
Kurzweilig und immer wieder mal zum Reinschnuppern, so kann die Chemie der Elemente wieder Spaß machen. Dimitri Mendelejew, jener russische Chemiker, der 1869 das Periodensystem entwickelte, hätte an diesem Nachschlagewerk sicher seine Freude gehabt.

Dr. Jörg Wetterau, Neuberg

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Thomas Sterba:
Die Süßwasserfische des Karl von Meidinger.
 

Das modisch aufbereitete Recyc1ing hinreichend bekannter Tatsachen ist mittlerweile auch auf dem biowissenschaft1ichen Buchmarkt konkurrenzfähig geworden. Umso erfreulicher sind traditionell anmutende Neuerscheinungen, die aber methodisch neue Wege gehen und daher eine Fülle unerwarteter Forschungsergebnisse vermitteln. Das vorliegende Werk, zudem hervorragend gedruckt und großzügig ausgestattet, übertrifft diesbezüglich alle Wünsche. Obwohl die weitgehend vergessenen Icones Piscium Austriae Indigenorum (1785 – 1794) des österreichischen Naturforschers Karl von Meidinger (1750 – 1820) im Mittelpunkt stehen und im direkten Vergleich mit den Illustrationen der Oeconomischen Naturgeschichte der Fische Deutschlands (1782 – 1784) des Berliner Arztes und Zootomen Marcus Elieser Bloch (1723 – 1799) untersucht werden sollen, schuf der Verfasser weit mehr, nämlich eine imponierende Synthese transdisziplinärer Entwicklungen, wobei er sich auf einen Fundus biologie-, kultur- und wirtschaftsgeschichtlicher Kenntnisse stützt, dessen Gründlichkeit und Reichtum sich dem Leser erst allmählich erschließen.
Der Rostocker Zoologe Ragnar Kinzelbach hat das Buch in einem sehr persönlichen Geleitwort zu Recht als Jahrhundertwerk – im doppelten Sinne des Wortes – bezeichnet. Bei aller Wertschätzung der Leistungen Karl von Meidingers verkennt T. Sterba nicht, dass dessen Artbeschreibungen lückenhaft, in einigen Fällen „geradezu dürftig ausgefallen“ sind. Außerdem konnten seine lateinischen Diagnosen im Gegensatz zu der in deutscher Sprache verfassten Naturgeschichte der Fische M. E. Blochs nur von Gelehrten, nicht aber von Fischern, Teichwirten oder Handwerkern gelesen werden. Der Verfasser hat es daher auf sich genommen, störende Mängel auszuräumen, Fehlendes zu ergänzen und jede einzelne der insgesamt fünfzig Tafeln mit den entsprechenden Darstellungen des Bloch’schen Werkes bis in Detai1s zu vergleichen. Die ungewöhnliche Qualität der Radierungen schuldete K. von Meidinger seinen künstlerischen Mitarbeitern; allen voran Franz Assner, in dessen berühmten Wiener Atelier alle Schritte der Entstehung einer Tafel vom Original bis zur kolorierten Auflage gleichzeitig beaufsichtig wurden. Außerdem waren der jung verstorbene Martin Sedelmeyer und der mehr als Pflanzenmaler bekannte Johann Lachenbauer betei1igt. Offenbar standen den Künstlern meist frisch gefangene Tiere zur Verfügung, wohingegen sich die Berliner Illustratoren, insbesondere Johann Friedrich August Krüger und Johann Friedrich Hennig, mit konserviertem Material begnügen mussten. Die natürliche Wiedergabe individueller Farb­unterschiede, winzige Flossenverluste und kleine Schuppendefekte sprechen für den Umgang mit lebendigen Modellen.
Die ikonographiehistorischen Recher-
chen T. Sterbas erstrecken sich hauptsächlich auf gedruckte Quellen aus vier Jahrhunderten, berücksichtigen aber auch schwer zugängliche Codices wie das Animalium Aquatilium (1549) von Johann Kentmann (1518 – 1574) und das Voge1-, Fisch- und Thierbuch (1666) des Strasbourger Fischers und Haagmeisters Leonhard Baldner (1612 – 1694). Wechselseitige Einflüsse von Wissenschaftsprogress und Drucktechnik sind in der Anschaulichkeit des direkten Vergleichs nicht zu übersehen. „Die textlichen Ausführungen konzentrieren sich sowohl auf zoologische Aspekte“, betont er, „wie auch auf soziologische Verhältnisse zwischen Mensch und Fisch. Insofern werden Beschreibungen, Erkenntnisgewinn, Fehlinterpretationen, Sensationsberichte, systematische und taxonomische Bemühungen“ ebenso herangezogen, wie „fischereiwirtschaftliche Erfahrungen und kulinarische Hinweise, bei denen nicht nur Naturforscher zu Wort kommen, sondern auch Historiker, Fischer, Landwirte und Angler“. Ein Glücksfall, dass es T. Sterba gelang, den Verlag trotz erheblicher wirtschaftlicher Belastungen von der Notwendigkeit seines Konzepts zu überzeugen. Entstanden ist ein Handbuch der wissenschaftlichen und praktischen Ichthyologie für Fachleute und Laien, das sich sehen lassen kann. Ähn­1iche Editionen werden künftig einer strengeren Zensur unter1iegen.

Prof. Dr. Armin Geus, Marburg

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