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Titelbild NR 2/2016: Die Stummelschwanzsepie Euprymna scolopes. Die Gattung Euprymna (griechisch: mit schönem Hinterteil) ist im Indo-Westpazifik verbreitet. Sie gehört zu den Sepiolidae (Zwergtintenfische), einer Gruppe kleiner, nur wenige Zentimeter großer Tintenfische, die durch einen runden Mantel mit flügelartigen Flossen ausgezeichnet sind. Tagsüber sind sie bis auf die Augen in Sand eingegraben, nachts gehen sie auf Beutefang. Besondere Aufmerksamkeit verdienen die Zwergtintenfische wegen ihrer Leuchtorgane, die am Beispiel der hier gezeigten Euprymna scolopes seit vielen Jahren von Margaret McFall-Ngai und Edward Ruby (University of Wisconsin, WI/USA) erforscht wird.
Das Leuchten wird durch das ubiquitär im Meerwasser vorkommende Bakterium Vibrio fischeri erzeugt, das auch mit anderen Organismen assoziiert sein kann. Die Bakterien müssen hierzu in die noch nicht differenzierten Leuchtorgane der frisch geschlüpften Stummelschwanzsepien einwandern, wo sie sich in Krypten vermehren. Die juvenilen Tintenfische bilden zum Einfangen eigens tentakelartige, später degenerierende Anhänge mit Flimmerepithel aus, um Vibrio fischeri unter Ausscheidung eines spezifisch wirksamen Schleims aus einer Vielzahl anderer mariner Bakterien auszuwählen. Einmal „in Kultur genommen“, werden die Bakterien von ihrem Wirt mit Aminosäuren und den Abbauprodukten des Chitins gefüttert und tagesperiodisch bis auf wenige Zelle ausgestoßen. Zudem vermag die Zwergsepie die Versorgung mit Sauerstoff so zu regulieren, dass die Bakterien in der Nacht, wenn die Tiere im freien Wasser Jagd auf Garnelen machen, ihre Leuchtaktivität entfalten.
Mit Euprymna scolopes und Vibrio fischeri haben M. McFall-Ngai und E. Ruby ein System etabliert, an dem sich die Interaktionen zwischen Wirt und Symbiosepartner beispielhaft untersuchen lassen. Ihre Studien verbinden verschiedenste Aspekte, die von der Immunbiologie über die Biochemie bis zur Entwicklungsbiologie reichen (siehe Bericht S. 90). Während Vibrio fischeri auch ohne seinen Wirt leben kann, ist letzterer in freier Natur auf das Bakterium angewiesen. Die biologische Bedeutung der bodenwärts gerichteten Leuchtorgane wird darin gesehen, die Kontur der kleinen Sepien gegen den nächtlichen Mond- und Sternenhimmel aufzulösen und damit Schutz gegen unter ihnen lauernde Fische oder andere räuberische Tiere zu gewähren. Der Aufwand, den die Stummelschwanzsepien betreiben, ist enorm. Nicht nur, dass sie den Bakterien spezielle Wohnstätten und fein abgestimmte Lebensbedingungen bieten, die Leuchtorgane weisen darüber hinaus augenähnliche Strukturen auf. In der Tat können sie Licht wahrnehmen und damit möglicherweise ihre Leuchtaktivität an die äußeren Bedingungen anpassen. Euprymna scolopes ist an der Küste Hawaiis endemisch, wo sie vor allem im Flachwasser (bei nur 2 – 4 cm Wasserbedeckung) anzutreffen ist, aber auch in küstenferneren, rund 250 m tiefen Bereichen. Die daumengroßen Tiere pflanzen sich nur einmal in ihrem 3 bis 10 Monate währenden Leben fort.
[Photo Margaret McFall-Ngai, University of Hawaii at Manoa, Honululu/University of Wisconsin-Madison]

Rd  

     
   
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    Staphylococcus aureus als treibende Kraft hinter der Neurodermitis – Wie der opportunistische Krankheitserreger mit dem Immunsystem interagiert
     
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Luciano Floridi:
Die 4. Revolution. Wie die Infosphäre unser Leben verändert.

Hans Wilhelm Bohle:
Von der Naturgeschichte zur Zoologie. Blasius Merrem und die Entwicklung der Zoologie an der Universität Marburg im 19. Jahrhundert (1807 – 1928).

Horst Peter Hann:
Grundlagen und Praxis der Gesteinsbestimmung.

Bruno P. Kremer:
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Das Atom im Spiegel - Forscher auf der Jagd nach einzelnen Photonen
 
     
   
     
   
   

Staphylococcus aureus als treibende Kraft hinter der Neurodermitis –
Wie der opportunistische Krank­heitserreger mit dem Immunsystem interagiert


Die Neurodermitis ist eine das Wohlbefinden empfindlich störende Erkrankung der Haut mit erheblichen psychosozialen und finanziellen Folgen. An ihrem Beginn stehen meistens Schädigungen der Haut, die es dem opportunistischen Bakterium Staphylococcus aureus ermöglichen, einzudringen, was eine überschießende Immunantwort zur Folge hat. Die dadurch hervorgerufenen Entzündungen begünstigen das Wachstum des Bakteriums und wirken sich nachteilig auf die Zusammensetzung der bakteriellen Hautflora aus. Der Beitrag geht auf das komplexe Wechselspiel zwischen S. aureus und dem zellulären wie sekretorischen Teil des angeborenen Immunsystems ein. Noch kann man die Neurodermitis nicht heilen, doch gelingt es, sie durch ein Maßnahmenbündel unter Kontrolle zu bringen. Neben der Eliminierung irritativer Allergene und der Gabe entzündungshemmender Medikamente kommt der Stärkung der Hautbarriere eine zentrale Bedeutung zu. Insbesondere bei genetisch disponierten Säuglingen bietet das tägliche Eincremen mit feuchtigkeitsspendender Salbe eine gute Chance für einen initialen Schutz.
 

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William Dampiers Vermächtnis – Vom Freibeuter zum Naturforscher

Mit Dampier ehrt unser Autor einen Entdecker und großen Seefahrer, der im Schatten anderer steht. Gleich Francis Drake, der von 1577 bis 1580 als erster Engländer die Welt umsegelte und damit unvergänglichen Ruhm erwarb, ging Dampier dem zweifelhaften Beruf eines Freibeuters nach, was ihm zeitlebens als Makel anhaftete. Gleichwohl war er weit mehr als nur ein Abenteurer: Sein sachkundiger und lebendiger Bericht über die Weltumsegelung, die er als Freibeuter unternommen hatte, begründeten nicht nur ein eigenes literarische Genre. Vor allem veranlasste er die britische Admiralität, Dampier mit der ersten naturkundlichen Expedition zu betrauen. Auch über diese Reise verfasste er ein Werk, das bemerkenswerte naturkundliche, hydrographische und meteorologische Beobachtungen enthält. Dampier wurde damit zu einem Pionier einer weltumspannenden Exploration, die über Louis-Antoine de Bougainville und James Cook bis zu Alexander von Humboldt und Charles Darwin führen sollte.
 

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