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Titelbild NR 2/2018: Starenschwarm. Der Star ist ein ausgesprochen geselliger Vogel, der gerne mit Artgenossen zusammen ist, etwa bei der Nahrungssuche auf dem Boden, die er dann plötzlich unterbricht, um im Trupp aufzufliegen und nach kurzem Flug an einer anderen Stelle einzufallen. Im Herbst und Frühjahr, aber auch im Winter schließt sich der Star auch gerne anderen Arten an, etwa Scharen von Krähen, Dohlen und Kiebitzen.
Ein Naturschauspiel besonderer Art sind aber die Schwärme, in denen sich Tausende von Artgenossen zusammenfinden. Wolkenartige Flugformationen, wie auf dem Titelbild zu sehen, sind ab dem Frühsommer zu beobachten, wenn sich Jungvögel und unverpaarte Vögel zusammenschließen. Die größten Schwärme bilden sich im September und Oktober vor dem Zug nach Süd- und Westeuropa. Am 7. September 2016 hat man über Gottskoogsee in Schleswig-Holstein 220 000 Tiere in einer solchen Schwarmwolke gezählt. Derartige Zahlen sind hierzulande rekordverdächtig, doch in Rom und an anderen Orten im Überwinterungsgebiet bilden sich alljährlich Schwärme, die über eine Million Tiere umfassen. Im Schwarm fliegen die Tiere koordiniert, so dass sich die Schwarmwolke wie ein großer Überorganismus als Ganzes zu bewegen scheint, der mitunter amöboide Ausläufer bildet oder im Inneren scharfe Konturen annimmt, wie auf dem Bild zu sehen. Einen Anführer gibt es im Schwarm nicht, vielmehr orientiert sich jeder einzelne Star an den Nachbarn. Bis zu sieben Tiere hat er dabei im Blick und versucht seine Position einzuhalten und sie in Millisekunden-Schnelle abzugleichen. Eine weitere generelle Regel lautet, sich zur Schwarmmitte hin zu orientieren. Welche Vorteile diese Koordination hat, zeigt sich bei einem Angriff durch einen Greifvogel, z. B. einen Falken, Sperber oder Rotmilan. Bei einem großen Schwarm hat er keine Chance, einen einzelnen Vogel zu erfassen. Vielmehr wird er von den Staren attackiert und muss sich mitunter durch Flucht dem Gegenangriff erwehren. Es kommt auch vor, dass er im dichten Schwarm keine Auftriebskräfte erzeugen kann und sich dann herunterfallen lässt. Die Fähigkeit zur Schwarmbildung ist nur eine der Besonderheiten des Stars, der vom Naturschutzbund Deutschland und dem Landesbund für Vogelschutz in Bayern zum Vogel des Jahres 2018 gekürt wurde (weitere Informationen: S. 94).
[Photo Andrew Parkinson (rspb-images.com)/NABU]

 Rd

     
   
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Den Namen Kautsky verbindet man hierzulande vor allem mit dem berühmten Sozialisten Karl Kautsky – doch er steht auch für die Vielfalt unterschiedlicher Talente, die in einer Familie schlummern. Die Autoren gehen in ihrem Beitrag der männlichen Linie nach, deren im Bereich der Naturwissenschaften herausragender Exponent Hans Kautsky war. Er genoss zunächst eine künstlerische Ausbildung, wurde aber dann zu einem vielseitigen Chemiker, dem wir u.a. die Entdeckung des Singulett-Sauerstoffs verdanken. Der Biochemiker Lothar Jaenicke rühmte ihn als ein „Lichtblick im Spezialistendschungel“.
 

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