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Titelbild NR 3/2015: Blütenpolymorphismus beim Acker-Gauchheil. – Der Acker-Gauchheil (Anagallis arvensis) ist ein weltweit verbreitetes einjähriges Primelgewächs, das insbesondere an Wegrainen, auf Brachland und auf Äckern anzutreffen ist. Seine kleinen, radiärsymmetrischen Blüten weisen einen auffälligen Farbdimorphismus auf. Neben einer zinnoberroten Form, die in Deutschland bei weitem überwiegt, gibt es in südlichen Regionen – etwa im Mittelmeergebiet oder auf Teneriffa (Hintergrundbild, Bild auf dieser Seite, rechts) vor allem die blaue Form. Rote und blaue Pflanzen können aber auch nebeneinander vorkommen (Bild rechts). Welche biologische Bedeutung die unterschiedliche Farbe der Kronblätter hat, ist bislang ungeklärt. Die vom Breitenkreis abhängige Häufigkeit der Morphen wurde in jüngerer Zeit als Beispiel für die sogenannte Glogersche Regel diskutiert (vgl. Kurzbericht S. 145).
Die Pollen werden offen präsentiert (sog. Pollenscheibenblume), die Bestäubung erfolgt vermutlich vorwiegend durch Dipteren, im geschlossenen Zustand ist eine Selbstbestäubung möglich. Beide Blütentypen weisen ein UV-absorbierendes Zentrum auf, wie der Vergleich rechts unten auf dem Titelbild zeigt. Die Blüte des Acker-Gauchheils öffnen sich nur bei Sonnenschein etwa von 9 bis 15 Uhr und reagieren sehr sensibel auf Bewölkung, was zu einer Reihe regionaler volkstümlicher Bezeichnungen beigetragen hat wie Nainibleaml (Niederösterreich), Neunerle (bayer. Schwaben), Firobedblümli („Vier Uhr zu Bett", Thurgau) bzw. Regenblom (Schleswig), Wetterblume (Riesengebirge) oder Gewitterblume (Schlesien).
[Photo im Hintergrund und Bild rechts: Archiv NR, Vergleich der Blütentypen und UV-Aufnahmen: Prof. Dr. Klaus Lunau, Universität Düsseldorf]
 

     
   
     ÜBERSICHT
   
    Karl Schuchmann, Volker Müller
    Von den Anfängen des Lebens zur modernen Biotechnologie – Der Stoffwechsel acetogener Bakterien
     
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    BERICHT
   
    Hermann Feldmeier
    Ebola-Epidemie in Westafrika Ausbruch ohne Präzedenz
     
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    FORSCHUNG
   
    Edris Parsa, Arne S. Schröder,
Thomas Carell
    Modifizierte DNA-Basen erweitern das Verständnis der Genregulation − Einsatz moderner Massenspektrometrie als Werkzeug in der Epigenetik
     
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Marco Fontani, Mariagrazia Costa, Mary Virginia Orna:
The Lost Elements – The Periodic Table’s Shadow Side.
 
Jacob Theodor Klein:
Naturgeschichte der Seeigel.

Jutta Person:
Esel – Ein Portrait.
Cord Riechelmann:
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Jean-Henri Fabre:
Erinnerungen eines Insektenforschers. Band V.

 

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Von den Anfängen des Lebens zur modernen Biotechnologie Der Stoffwechsel acetogener Bakterien

Habitate ohne Sauerstoff gelten als lebensfeindlich, und doch beherbergen sie vielfältige Mikroorganismen mit an das besondere Milieu angepassten Stoffwechselleistungen. So kann das aus Pferdedung isolierte acetogene Bakterium Moorella thermoacetica nicht nur organische Substanz abbauen − durch anaerobe Atmung mit CO2 als Elektronenakzeptor −, sondern auch aus H2 und CO2 Acetat, d. h. organische Substanz, bilden. Dieser fakultativ autotrophe Stoffwechsel zeichnet sich durch primitiv anmutende Enzymausstattung und minimale Energieausbeute aus. Daraus ergeben sich Modellvorstellungen zur Entstehung des Lebens sowie neue Perspektiven für biotechnologische Anwendungen.
 

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Ebola-Epidemie in Westafrika − Ausbruch ohne Präzedenz

Gesundheitspolitische Versäumnisse, fehlende Aufklärung und eine schwer einzuschätzende, durch gesellschaftlichen und technischen Wandel bedingte Dynamik ließen die zunächst lokal auftretenden Erkrankungen am Ebola-Fieber rasch aus dem Ruder laufen. Es ist vor allem Nicht-Regierungs-Organisationen zu verdanken, dass schließlich einschneidende Maßnahmen getroffen wurden. Doch die Gefahr ist auch heute noch nicht gebannt.
 

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Modifizierte DNA-Basen erweitern das Verständnis der Genregulation − Einsatz moderner Massenspektrometrie als Werkzeug in der Epigenetik

Die in der Basenabfolge der DNA codierte Erbinformation ist bei allen Körperzellen im Wesentlichen identisch. Dass in differenzierten Zellen des Organismus dennoch unterschiedliche Gene aktiv sind, ist epigenetisch determiniert. Dabei bietet die Methylierung von Cytosin in der DNA der Chromosomen eine Option zur Abschaltung von Genen. Dass diese Methylgruppe stufenweise bis zur Carbonsäure oxidiert werden kann, ist ein faszinierender neuer Befund. Diesen Oxidationsprodukten wird regu­latorische Bedeutung zugesprochen, da sie nicht in allen Zelltypen gleichermaßen zu finden sind. Zusammen mit der Basenexzisionsreparatur könnte die Oxidation von Methylcytosin auch dazu beitragen, die betreffenden Gene wieder anzuschalten.
 

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