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Titelbild NR 3/2016: Silurisches Acitrarch aus Gotland. Eine wichtige Rolle in der Entwicklung des Sauerstoffgehaltes der Atmosphäre spielt das marine Phytoplankton, also pflanzliches Plankton, das im Oberflächenwasser der Ozeane lebt und durch Photosynthese Sauerstoff freisetzt. Allerdings ist der Fossilbeleg hier extrem lückenhaft, denn viele der heute lebenden planktischen Organismen haben keine fossilisierbaren Skelette, und das kalkige – also fossil gut überlieferte – Phytoplankton, das heute maßgeblich an der globalen Sauerstoffproduktion beteiligt ist (die Coccolithophoriden), entstand erst im Erdmittelalter in der späten Trias vor gut 200 Millionen Jahren. Es gibt Hinweise auf paläozoisches Kalkplankton [1], jedoch scheint dieses im Gegensatz zu heutigem Kalkplankton auf flache Schelfgebiete beschränkt gewesen zu sein. Zu den am besten bekannten Resten phytoplanktischer Organismen zählen die sogenannten Acritarchen, deren systematische Stellung allerdings umstritten ist (vgl. Beitrag S. 112). Hierbei handelt es sich um Mikrofossilien, deren Hülle aus extrem widerstandsfähigen organischen Molekülen aufgebaut wird, dem sogenannten „Sporopollenin“, einem hochpolymeren Heteropolymer, und die aus den Gesteinen durch Herauslösen mittels sehr starker Säuren (z. B. Flusssäure) gewonnen werden können. Eines der so erhaltenen Präparate ist das gezeigte Acritarch Ammonidium microcladum.
Akritarchen sind bereits aus dem Neoproterozoikum überliefert und treten in Gesteinen des Paläozoikum z. T. mit Häufigkeiten von bis zu 10 000 Exemplaren pro Gramm Sediment auf. Für die Gewinnung dieser Mikrofossilien werden die Lösungsrückstände gesiebt, wobei die Maschenweiten in der Regel zwischen 10 und 20 µm liegen. Untersuchungen an schwach geätzten geschliffenen Kalksteinen haben jedoch gezeigt, dass es zahlreiche Acritarchen gibt, die kleiner als 10 µm sind und bei der Standardaufbereitung verloren gehen [2]. Diese sind dem paläozoischen Nanoplankton zuzurechnen; ihre Bedeutung in den Ökosystemen ist noch weitgehend unbekannt. [1] A. Munnecke, T. Servais, Lethaia 41, 185 (2008). – [2] A. Munnecke, T. Servais, Palynology 20, 163 (1996).
[Text und Photo: Prof. Dr. Axel Munnecke, GeoZentrum Nordbayern, Friedrich-Alexander Universität Erlangen. Bildbearbeitung: Dipl-Geol. Christian Schulbert, GZN Erlangen]

Rd  

     
   
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Lob der Lüge. Wie in der Evolution der Zweck die Mittel heiligt.

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Wilhelm Weinberg. Der zweite Vater des Hardy-Weinberg-Gesetzes.

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BManfred Grasshoff:
Kurze Geschichte der Evolutionstheorie. Von den Anfängen über Darwin bis zur Frankfurter Theorie.
 

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Max-Heft der Max-Planck-Gesellschaft München, Frühjahr 2016

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Das Atom im Spiegel - Forscher auf der Jagd nach einzelnen Photonen
 
     
   
     
   
   

Paläomikrobiologie – Eine kurze Geschichte der Prokaryoten und Pilze

Kleinste, unserem Auge verborgene Lebewesen, sind die eigentlich Großen in der Biosphäre. Einzeller, allen voran die Archaea und die Eubakteria, haben den vielzelligen Lebensformen den Weg bereitet und bleiben für deren fortwährende Existenz unabdingbar. Der Autor zeichnet die wesentlichen Etappen in der Geschichte der Prokaryoten und ihrer Kooperation mit anderen Organismen nach und bezieht auch die Pilze ein, deren essentielle Bedeutung für Stoffkreisläufe und als Symbiose-Partner mit Pflanzen nicht hoch genug eingeschätzt werden kann.
 

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Das Zika-Virus – eine globale Gesundheitsgefahr?

Ungewöhnlich rasch hat die Weltgesundheitsorganisation WHO Anfang Februar den globalen Gesundheitsnotstand ausgerufen, als es in Brasilien zu einer Zika-Virus-Epidemie kam. Eine Infektion mit diesem von Stechmücken übertragenen Virus verläuft in der Regel mild – bislang ist keine einziger durch das Virus verursachter Todesfall bekannt –, doch ging mit der jüngsten Epidemie eine auffällige Häufung schwerer Kopfmissbildungen einher, insbesondere Mikrozephalie. Da unklar ist, ob das Virus tatsächlich teratogene Wirkungen haben kann, handelt es sich um eine prophylaktische Maßnahme.
 

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Die „Deutsche Physik“ – Wissenschaft im Dienst von Ideologie und Macht

Im Gefolge des Ersten Weltkriegs und der Erschütterungen des politischen und wirtschaftlichen Lebens setzte in Deutschland eine Infiltrierung der Wissenschaften durch nationalistische und antisemitische Ideologien ein. Vor ihr waren selbst herausragende Forscher nicht gefeit, wie die Nobelpreisträger Philipp Lenard und Johannes Stark, die ab den 1920er Jahren eine „Deutsche Physik“ propagierten. Ihr Unbehagen über die politischen Verhältnisse vermischte sich mit Vorbehalten und Unverständnis gegenüber der modernen Physik. Auch wenn maßgebliche Wissenschaftler distanziert blieben, so gewannen sie einigen Einfluss, wie sich an der (Fehl-) Besetzung des renommierten Sommerfeld-Lehrstuhls der Universität München zeigte.
 

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