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Titelbild NR 3/2018: Hells Bells – Sinterbildungen auf Yucatán. Die nordamerikanische Halbinsel Yucatán steht seit längerem im Mittelpunkt wissenschaftlichen Interesses: Meteoritenforschern, Astronomen und Paläontologen richten ihr Augenmerk auf die Strukturen des Chicxulub-Kraters, der sich im Norden Yucatáns in den Golf von Mexiko fortsetzt. Er wurde dadurch berühmt, dass er mit dem Einschlag eines Meteoriten in Verbindung gebracht wird, der zum großen Artensterben am Ende der Kreidezeit beigetragen hat. Weniger bekannt, aber ebenso spektakulär sind die wassergefüllten Höhlen und Dolinen (Cenotes) in dem stark verkarsteten Gebiet. Sie bilden ein gigantisches, zum Teil in mehreren Stockwerken ausgebildetes Höhlensystem von vermutlich mehreren Tausend Kilometern Länge. Im Nordwesten der Halbinsel sind die Höhlen perlschnurartig entlang der Grenzen des Einschlagkraters aufgereiht. Die Unterwelt von Yucatán gewährt einmalige Einblicke in die vergangene Fauna und die frühe Besiedlungsgeschichte, denn nur in den ehemals trockenliegenden Höhlen blieben Knochen und Schalenreste vor der Zerstörung durch die Huminsäuren des heutigen Regenwaldes bewahrt. Viele Erkenntnisse verdanken wir dem Geowissenschaftler Wolfgang Stinnesbeck (Universität Heidelberg), der die Höhlen mit seinen mexikanischen Kooperationspartnern untersucht (https://www.youtube.com/user/InstitutoPrehistoria). So weiß man heute, dass es auf Yucatán ausgedehnte offene Landschaften gab, die von eiszeitlichen Elefanten, Riesenfaultieren und lamaähnlichen Kamelen bevölkert waren. Von besonderem Interesse sind Funde menschlicher Skelette und prähistorischer Feuerplätze, die ein Alter von bis zu 12 000 Jahren haben und Hinweise geben, dass die ersten Siedler Amerikas möglicherweise aus Indien, Indonesien oder den Pazifischen Inseln kamen. Mit dem Ende der Eiszeit und einem Meeresspiegelanstieg von mehr als 100 Metern kam es zu einem tiefgreifenden ökologischen Wandel, der zum Untergang der großen Säuger führte. Die Höhlen sind seitdem von marinem Wasser gefüllt, das von Süßwasser überschichtet wird. Der Eintrag organischer Substanz ermöglicht die Existenz einer einzigartigen Lebensgemeinschaft. In der brackigen, Calcium-übersättigten Übergangsschicht kommt es zu besonderen Sinterbildungen, die in Taucherkreisen als Hells Bells bekannt wurden (siehe Kurzberichte S. 139 und 141). [Photo E.A.N./IPA/INAH/MUDE/UNAM/Heidelberg]

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Lucia Kins:

    30 Jahre Montreal-Protokoll – Seine Wirkung und neue Fragen
     
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Volker Kaminske und Gabriele Wiegand:

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Margot Böse, Jürgen Ehlers, Frank Lehmkuhl:
Deutschlands Norden. Vom Erdaltertum zur Gegenwart.
 

   

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Biologie und Ethik: Leben als Projekt.
 

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Christina Beck:
Der Ursprung des Lebens –  oder wie Einzeller zu kooperieren lernten
     
   
     
   
   

30 Jahre Montreal-Protokoll – Seine Wirkung und neue Fragen

Mit dem Montreal-Protokoll vom 16. September 1987 haben sich 197 Staaten dazu verpflichtet, geeignete Maßnahmen zu treffen, um die Ozonschicht vor Schäden zu bewahren. Damit wurde ein fortwährender Prozess in Gang gesetzt. Im Verlauf der Zeit musste das internationale Vertragswerk immer wieder nachgebessert werden, um die Emission von Substanzen, die als Ozonzerstörer erkannt wurden, zu verbieten. Mittlerweile gibt es Anzeichen, dass die Maßnahmen in der oberen Stratosphäre Wirkung zeigen. Gleichwohl besteht noch kein Anlass zur Entwarnung, zumal es in tieferen Stratosphärenschichten wohl weiter zu Abbauprozessen kommt. Unsere Autorin berichtet über die jüngsten Ergebnisse zur Lage der Ozonschicht und stellt Methoden zur Messung des Ozonprofils vor, wie sie unter anderem an der Station Hohenpeißenberg des Deutschen Wetterdienstes praktiziert werden.
 

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50 Jahre Plattentektonik: Offene Fragen und mögliche Antworten 

Dass es im Laufe der Erdgeschichte zu tiefgreifenden Veränderungen in der Verteilung der Landmassen und damit der Herausbildung von Kontinenten kam, ist mittlerweile unbestritten. Ursächlich sind Konvektionen im Erdmantel, die die außen liegende Lithosphäre in Bewegung hält. Sichtbares Zeichen dieser anhaltenden Dynamik sind die ozeanischen Rücken, an denen zu beiden Seiten Basalte austreten und nach allgemeiner Vorstellung die ozeanischen Platten in entgegengesetzte Richtung verschieben. Manche geologischen Phänomene lassen sich aber mit diesem Mechanismus nicht recht in Einklang bringen. Sie waren Anlass für den Schweizer Geologen Nazario Pavoni, einen eigenen Mechanismus vorzuschlagen, den unsere Autoren vorstellen.
 

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