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Titelbild NR 3/2015: Das Panneau der Löwen der Grotte Chauvet.
Die Entdeckung der Grotte Chauvet im Tal der Ardèche im Jahre 1994 war eine weltweite Sensation. Rund 100 Jahre nach Entdeckung der Höhle von Altamira (Kantabrien, Spanien) und 50 Jahre nach der Entdeckung von Lascaux (Département Dordogne) war eine weitere, mit ungewöhnlich ausdrucksstarken Bildern ausgestattete Höhle bekannt worden. Die rund 8500 m2 große, in der Nähe des berühmten Felsentors Pont-d’Arc gelegene Karsthöhle überraschte nicht allein mit einer Fülle künstlerisch vollendeter Tierdarstellungen, vielmehr sorgte auch die Datierung für Aufsehen. Mit einem Alter von bis zu 36 000 Jahren handelte es sich um die ältesten Felsmalereien überhaupt, die der Kulturstufe des Aurignacien zuzuschreiben wären, wie jene Figuren, die aus der Vogelherdhöhle der Schwäbischen Alb stammen. Auch wenn die Datierung verschiedentlich angezweifelt wird, so von Jean Combier und Guy Jouve, nach denen die ältesten Darstellungen vor 26 000 Jahren geschaffen wurden (Quartär 59, 131 [2012]) und die Bilder demnach dem jüngeren Gravettien zuzuordnen wären: Dem Rang der prächtig ausgestalteten Grotte Chauvet als frühes Zeugnis des offensichtlich von Beginn an kunstsinnigen Homo sapiens tut dies keinen Abbruch (vgl. Beitrag S. 179).
Im Juni 2014 wurde die nach Jean-Marie Chauvet, einem der drei Entdecker, benannte Höhle in das UNESCO-Weltkulturerbe aufgenommen. Um die Höhle vor Umwelteinflüssen zu schützen und weitere Nachforschungen zu ermöglichen, hatte man den Zugang sofort verschlossen. Dafür gibt es nun das nur drei Kilometer entfernt gelegene Besucherzentrum La Caverne du Pont d’Arc mit einem wie ein großer Monolith gestalteten Pavillon. Er enthält einen nach dem Original angefertigten Höhlenraum mit den naturgetreuen Kopien der wichtigsten Bilderfriese (Panneaux), unter anderem das hier gezeigte Panneau der Löwen. Links von der Mitte befindet sich eine Gruppe von Wollnashörnern in bemerkenswerter perspektivischer Darstellung, in einer Felsnische ist ein Pferd und rechts davon ein junges Mammut zu sehen. [Photo: Patrick Aventurier/La Caverne du Pont d’Arc – Plateau du Razal – F 07150 Vallon Pont d‘Arc. – http://www.cavernedupontdarc.fr]

Rd

     
   
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Links-Rechts-Asymmetrie im Tierreich: Embryologie und Evolution

Die meisten Tiere sind bilateralsymmetrisch gebaut und weisen äußerlich mehr oder weniger gleiche Körperhälften auf. Im Inneren aber zeigen viele Organe in ihrem Aufbau sowie in ihrer Lage im Körper eine strikt festgelegte Links-Rechts-Asymmetrie. Seltene, von den Anatomen als Situs inversus beschriebene Vertauschungen der Körperseite sind beim Menschen zuweilen mit Krankheitssymptomen verbunden. Es zeigte sich, dass diese mit Ciliendefekten einhergehen, womit man einem wichtigen Mechanismus auf die Spur kam. Der Beitrag berichtet über die Bedeutung von Cilien in kurzzeitig ausgebildeten Links-Rechts-Organisatoren, die man bei Fischen, Amphibien und Säugtieren nachgewiesen hat, und die Suche nach generellen Mechanismen der Lagedeterminierung. Eine Schlüsselrolle spielt dabei die Aktivierung der Nodal-Kaskade, die auch bei Wirbellosen nachweisbar ist und demnach eine lange evolutionäre Geschichte hat.
 

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Quo vadis, Humanethologie?

In seinem auf Einladung der Günter Tembrock Stiftung und der Humboldt-Universität zu Berlin gehaltenen Vortrag plädiert der Autor vehement dafür, uns Menschen mit dem Methodenrepertoire der vergleichenden Verhaltensforschung zu betrachten. Dabei geht es um den Vergleich mit unseren tierischen Verwandten, aber auch um den Vergleich menschlicher Kulturen. Erst so lernen wir uns als Natur- und Kulturwesen kennen, erst so werden wir zu einer umfassenden Wissenschaft vom Menschen gelangen. Auch wenn die Human­ethologie derzeit nicht im Brennpunkt aktuellen Forschungsinteresses steht: Es gibt ein weltweit aktives Netzwerk von Wissenschaftlern, die mit ihren Arbeiten Brücken zu den im weitesten Sinne geisteswissenschaftlichen Disziplinen schaffen und damit eine unnötige Kluft zu überwinden helfen.
 

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