NR-aktuell  
     
     TITELBILD
     
       
 


Titelbild NR 6/2015 – Mount Tambora auf Sumbawa, Indonesien.
Diese Ansicht auf den Stratovulkan wurde am 3. Juni 2009 von der Internationalen Raumstation ISS aus 350 km Höhe aufgenommen. Sie zeigt den rund 6 Kilometer Durchmesser aufweisenden Krater (Caldera), der beim Ausbruch des Vulkans im April 1815 entstanden ist. Damals wurden schätzungsweise rund 150 Kubikkilometer Pyroklastika – Gesteinsfragmente unterschiedlicher Größe von vulkanischen Aschen (bis 2 mm), über Lapilli (bis 64 mm) bis zu Bomben oder Blöcken (größer als 64 mm) – durch die Eruption fortgeschleudert oder durch heiße Gase in die Atmosphäre getragen. Die Aschen gerieten in große Höhen und wurden Tausende Kilometer weit verfrachtet und bewirkten zusammen mit den schwefelhaltigen vulkanischen Gasen langanhaltende Klimaveränderungen, die in der Nordhemisphäre zu Missernten und Hungersnöten führten (vgl. Beitrag S. 284).
Am Grunde der bis zu 1100 m tiefen Caldera liegt ein ephemerer See, am Nordwestrand des Kraters (links oben) sind weitgehend unverfestigte pyroklastische Ablagerungen (Tephra) zu erkennen. Aus datierbaren Ablagerungen weiß man, dass der Vulkan bereits früher wiederholt aktiv war (etwa 3700 und 3050 v. Chr., 740 n. Chr.). Dem bislang größten Ausbruch von 1815 ging eine Phase erhöhter Aktivität voraus, die sich 1812 mit Erdstößen und einer dunklen Wolke ankündigte; auch später gab es noch kleinere Ausbrüche, bei denen u. a. Nebenkrater innerhalb der Caldera entstanden sind. Derzeit sind vulkanische Exhalationen (Fumarolen) zu beobachten. Mit weiteren stärkeren Aktivitäten ist zu rechnen: Der Mount Tambora liegt 340 km nördlich des Sundagrabens und ist damit den Spannungen, die durch die Subduktion der Indo-Australischen unter die Eurasiatische Platte entstehen, ausgesetzt. [Photo NASA Expedition 20 Crew/Earth Science and Remote Sensing Unit, NASA Johnson Space Center]

Rd

     
   
     ÜBERSICHT
   
    Manfred  Vasold:
    Der Ausbruch des Mt. Tambora (1815) und das „Jahr ohne Sommer“ (1816)
     
    mehr ...
     
    KONZEPTE UND GESCHICHTE
   
    Stefan Huggenberger: 
    Anatomie – Stirbt die vergleichende Kunst aus?
     
    mehr ...
     
     
    Rundschau
     
    ASTRONOMIE
    Massereicher junger Stern kommt auf Touren
     
    MATERIALWISSENSCHAFTEN
    Praktischer nutzen von Graphen
    Hohe Transparenz durch Nanostrukturierung
     
    CHEMIE
    Die Reaktion der Alkalimetalle mit Wasser
     
    KRISTALLOGRAPHIE
    Die Kristallstruktur von L-Lysin
     
    PALÄOANTHROPOLOGIE
    Lucys Cousin: Ein neuer Australopithecide aus Äthiopien
    3,3 Millionen Jahre alte Steinwerkzeuge aus Kenia
     
    ZOOLOGISCHE SYSTEMATIK
    Neue Erkenntnisse zur Evolution der Plattwürmer
     
    MIKROBIOLOGIE
    Bakterien reduzieren extrazelluläre Eisenoxide mit Hilfe von Nanofilamenten
     
    MOLEKULARBIOLOGIE
    lncRNAs und miRNA-Primärtranskripte codieren Mikropeptide
     
    LEBENSMITTELTECHNOLOGIE
    Heustaub treibt CO2 aus dem Käse
     
    KURZMITTEILUNGEN
    50 Jahre Mooresches Gesetz
    Mutagene Wirkung von UVA-Strahlung
    Nanoelektronik auf Molybdän- und Wolframsulfidbasis
     
     

 

    BÜCHER UND MEDIEN
     
    Buchbesprechungen
   

Thomas Bührke:
Einsteins Jahrhundertwerk – Die Geschichte einer Formel

Jan Cornelius Schmidt:
Das Andere der Natur – Neue Wege zur Naturphilosophie

Michael Wuttke, Thomas Schindler, Krister T. Smith (Hrsg.):
Die Fossil-Lagerstätte Enspel

 

    Neuerscheinungen
     
    PERSONALIA
    Todestage
    Geburtstage
    Akademische Nachrichten
    Ehrungen
     
    SERVICE
    Tipps und Hinweise
    Nachrichten aus dem Internet
    Veranstaltungen
     
    NR
    Stichwort: Homo ridens
    Retrospektive: Magnetismus und Magnetsinn
    Vorschau, Impressum
     
    TECHMAX 21
   
Max-Hefte, Frühjahr 2015

Roland Wengenmayr
Wie schwere Elemente im K
osmos entstehen - Auf der Spur des Sternenstaubs
 
     
   
     
   
   

Der Ausbruch des Mt. Tambora (1815) und das „Jahr ohne Sommer“ (1816)

Vor zweihundert Jahren ereignete sich eine Naturkatastrophe globalen Ausmaßes: Als am 5. April 1815 auf der indonesischen Insel Sumbawa der Mount Tambora ausbrach und neben vulkanischen Gasen eine unvorstellbare Gesteinsmasse von rund 150 Kubik­kilometern fortschleuderte, kam es in der Folgezeit zu einer weltweiten Abkühlung, die sich auch hierzulande gravierend auswirkte. Der Beitrag lässt Augenzeugen zur Sprache kommen und dokumentiert die Folgen insbesondere für Mitteleuropa.
 

    zurück zum Anfang
 
   
   
   

Anatomie – Stirbt die vergleichende Kunst aus?

Viele Erkenntnisse der neueren Biologie beruhen auf Modellorganismen – auch in der Humanmedizin vertraut man den Befunden, die an Wirbeltiermodellen wie Maus, Ratte und Zebrafisch gemacht worden sind. Derartige Extrapolationen von andersartigen Organismen auf den Menschen sind äußerst wertvoll. Voraussetzung ist allerdings, dass ein zuverlässiger, solider Vergleich der Organsysteme vorausgegangen ist. Die traditionsreiche Kunst der Vergleichenden Anatomie verdient deshalb besondere Wertschätzung. Sie ist keineswegs eine Wissenschaft von gestern, die lediglich die früher erhobenen Befunde verwaltet, vielmehr zeigt sich bei näherer Betrachtung, dass es erstaunliche Wissenslücken gibt, die Anlass zu kritischen Nachforschungen geben. Der Autor plädiert deshalb dafür, der Vergleichenden Anatomie wieder einen ihr angemessenen Stellenwert in Forschung und Lehre zu geben.
 

    zurück zum Anfang