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Titelbild NR 7/2015 – Ein neuer Blick auf Pluto.
Pluto, der am 13. März 1930 als neunter Planet entdeckt und weltweit gefeiert wurde, erhielt erstmals Besuch von einer Raumsonde. Am 14. Juli 2015 flog die Sonde New Horizons in nur 12 500 km Entfernung an diesem Himmelskörper vorbei. Pluto wird zwar seit August 2006 nach einer Neudefinition der Planeten offiziell als Zwergplanet (134340) Pluto geführt, verdient aber als großes Objekt am Rande unseres Sonnensystems besonderes Interesse. Er gehört zum Kuipergürtel, einer scheibenförmig ausgebildeten Region jenseits der Neptunbahn, die sich in einer Entfernung von rund 30 bis 50 Astronomischen Einheiten (AE = mittlerer Abstand Sonne-Erde: 149,6 Mio. km) erstreckt und eine Vielzahl von Eis- und Gesteinskörpern enthält. Man schätzt, dass es dort rund 70 000 Objekte mit mehr als 100 km Durchmesser gibt. Neben Pluto (sein Durchmesser beträgt nur rund zwei Drittel des Erdmondes) gehört hierzu das ähnlich große Objekt Eris, dessen Entdeckung (2005) Anlass zur neuen Planetendefinition gab.
Nach ihrem Vorbeiflug setzt New Horizons ihre Reise aus dem Sonnensystem fort. Sie soll noch weitere Objekte des Kuipergürtels untersuchen. Die Energieversorgung hierfür dürfte noch einige Jahre sichergestellt sein.
New Horizons wurde am 19. Januar 2006 von Cape Canaveral (Florida) als erste Mission des New Frontiers Programm der NASA zur Erforschung des Sonnensystems gestartet. Zum Erreichen ihres weit entfernten Ziels (Plutos Abstand von der Sonne liegt zwischen 29,7 und 50,0 AE) wurde die Sonde mit der damals stärksten Trägerrakete gestartet (max. Geschwindigkeit 16,21 km/s). Auf dem Weg zu Pluto nahm New Horizons Kurs auf Jupiter, von dem sie zusätzlich beschleunigt wurde (Swing-by). Bei ihrem Vorbeiflug an dem Gasriesen im Februar und März 2007 wurden Untersuchungen u. a. zu Wolkenbewegungen und zur Magnetosphäre von Jupiter durchgeführt. Anschließend wurde die Sonde zur Energieeinsparung temporär abgeschaltet. Die Beobachtung von Pluto und seinem großen Mond Charon begann 150 Tage vor der größten Annäherung.
Das große Gesamtbild wurde am 13. Juli aus 450 000 km Entfernung mit dem LORRI-Instrument gemacht, einer hochauflösenden CCD-Kamera für sichtbares Licht, die an einem 20,8-cm-Teleskop montiert ist. Es zeigt eine auffällige, herzförmige Region, die – noch inoffiziell – nach dem Entdecker des Zwergplanten, Clyde Tombaugh (1906 – 1997), benannt wird. Das kleine Bild oben rechts zeigt eines der bislang besten verfügbaren Bilder von Pluto, erstellt auf der Grundlage von Daten des Weltraumteleskops Hubble (HST). Links unten eine Detailaufnahme des LORRI-Instruments. Sie zeigt die Hillary Montes (im Norden) und die Norgay Montes (im Süden) am Rande der Tombaugh-Region. Die vereisten Bergspitzen ragen 1,5 bzw. bis 3,4 km aus der Ebene heraus.
[Photos der Mission New Horizons: NASA/Johns Hopkins University Applied Physical Laboratory, Southwest Reserarch Institute. – HST: PHL@U/PR Arecibo, NASA HST (Nov 2013)]
                      Rd

     
   
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Eine juristische Merkwürdigkeit
     
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Lipidtransferproteine und die Dynamik biologischer Membranen

Durch den hydrophoben Effekt im wässrigen Milieu organisieren sich Lipide innerhalb von Zellen meist zu Doppelschichten. Diese die Zellen umgebenden bzw. in Kompartimente unterteilenden Membranen sind hochdynamische Strukturen, zwischen denen ein reger Materialaustausch stattfindet. Dies erfordert besondere Mechanismen, um die amphiphilen Lipide beim Hindurchschleusen durch das wässrige Milieu des Cytosols vor Aggregation zu schützen. Neben dem seit Jahrzehnten gut untersuchten Transport mittels Membranvesikeln agiert dabei eine Vielzahl von Lipidtransferproteinen. Aufgrund ihrer spezifischen Bindungspräferenzen können Letztere Lipide gezielt aus Membranen lösen, in eine hydrophobe Tasche aufnehmen und am Bestimmungsort abladen. Ihre Bedeutung zeigt sich anhand einer Reihe von erblichen Stoffwechselkrankheiten, die durch den Funktionsausfall einzelner oder mehrerer Lipidtransferproteine verursacht sind.
 

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Dayton/Tennessee 1925 – Die Evolutionstheorie vor Gericht
Eine juristische Merkwürdigkeit


Vor 90 Jahren wurde in Tennessee der sogenannte Butler Act verabschiedet, nach dem die Unterrichtung der Evolutionstheorie Darwins untersagt wurde. Insbesondere wurde unter Strafe gestellt, Lehren zu verbreiten, die geeignet sind, die göttliche Schaffung des Menschen infrage zu stellen. Das Gesetz fand seine Anhänger in fundamentalistischen Kreisen, rief aber ebenso scharfen Protest hervor. Die American Civil Liberties Union (ACLU) machte bekannt, dass sie jeden Lehrer, der sich eines Gesetzesverstoßes schuldig mache, juristisch verteidige. Mit dem Prozess The State of Tennessee vs. John Thomas Scopes ergab sich bald eine Gelegenheit, die Standpunkte öffentlichkeitswirksam zu vertreten. Der Lehrer John Scopes unterlag, doch argumentativ gerieten die Befürworter des Gesetzes in die Defensive. Der Butler Act wurde erst 1967 aufgehoben.
 

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