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Titelbild Titelbild NR 8/2016: Einsteinturm auf dem Telegrafenberg in Potsdam. Das 20 Meter hohe, wie eine Skulptur wirkende Bauwerk ist ein architektonisches Kleinod im heutigen Wissenschaftspark Albert Einstein und gilt als bedeutendste Schöpfung des Architekten Erich Mendelsohn. Bei allen ästhetischen Qualitäten handelt es sich um einen reinen Zweckbau, primär dazu konzipiert, um die Rotverschiebung von Spektrallinien im Schwerefeld der Sonne und damit eine der Voraussagen von Einsteins Allgemeiner Relativitätstheorie nachzuweisen. Initiator war der an der Berliner Sternwarte in Babelsberg (Potsdam) wirkende Astronom Erwin F. Freundlich, der zusammen mit Einstein den Bau und die Ausstattung des Observatoriums plante, das zwischen 1919 und 1924 errichtet wurde. Vorbild war das erste Turmteleskop weltweit, das 1908 erbaute 60-Fuß-Sonnenteleskop auf dem Mount Wilson in Kalifornien. In dem Turm ist ein fest installiertes Fernrohr (Öffnung 60 cm, Brennweite 14 m) montiert. Das Sonnenlicht wird mit Hilfe von zwei in der Drehkuppel installierten Spiegeln (Coelostat) aufgefangen und in das waagrecht liegende Objektiv gelenkt, das ein 14 cm großes Bild der Sonne entstehen lässt. Ein dritter, um 45 Grad geneigter Spiegel im Keller leitet das Licht in die im Souterrain liegenden Instrumente, wo es in seine spektralen Bestandteile zerlegt und analysiert wird. Der ca. 14 m lange, thermisch isolierte Spektrographenraum liegt in Richtung des Betrachters unter dem Erdwall südlich des Turmes.
Mit dem Turmteleskop gelang es zwar nicht, den exakten Wert der gravitativen Rotverschiebung zu bestimmen und damit die Voraussage in der gewünschten Weise nachzuweisen, gleichwohl konnte Freundlich andere Effekte, welche die Wellenlänge einer Spektrallinie beeinflussen können, richtig beschreiben und interpretieren. Freundlich war es auch, der 1914 die Sonnenfinsternisexpedition auf die Krim durchführte, um dort eine andere Voraussage Einsteins, die Ablenkung von Sternenlicht im Schwerefeld der Sonne nachzuweisen, was wegen der Kriegswirren nicht gelang (vgl. Beitrag S. 393). Heute wird der Turm vom Leibniz-Institut für Astrophysik (AIP) zur Bestimmung solarer Magnet- und Geschwindigkeitsfelder genutzt. Außerdem werden dort Instrumente getestet, die an den Sonnenteleskopen des AIP auf Teneriffa zum Einsatz kommen.
Das winterlich anmutende Bild wurde am 7. Juni 2007 von Dr. N. R. Nowaczyk (GFZ Potsdam) aufgenommen. Es handelt sich um eine digitale und digital nachbearbeitete Aufnahme, auf der ausschließlich reflektiertes Licht im nahen Infrarotbereich zu sehen ist (Nähere Informationen finden sich in seiner Schrift: Allgemeines zur Technik der auf dem Telegrafenberg verwendeten digitalen Infrarotfotografie, www.gfz-potsdam.de)
[Photo N. R. Nowaczyk, Wikimedia CC-BY-SA 4.0 international]

 

Rd

     
   
     ÜBERSICHT
   
   

Johann Reiter:

    Sonnenfinsternisse und deren Bedeutung für die Astrophysik
     
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    BERICHT
   
    Ulrike Gebhardt: 
    Mit Pflanzenextrakten und Gentechnik gegen HIV
     
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    KONZEPTE UND GESCHICHTE
   
    Heribert Offermanns: 
    Otto Liebknecht und das „Per“ von Persil
     
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    Ein Exoplanet durch die Gravitationslinse betrachtet
    Tridymit auf dem Mars
     
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    Temperatursensitiver, wiederverwendbarer Klebstoff
     
    BIOTECHNOLOGIE
    Reduzierung des globalen CO2-Gehalts mittels thermostabiler Carboanhydrasen
     
    PALÄONTOLOGIE
    Neue Primatenarten aus dem Tertiär von China und Nordamerika
    Fossiler Termitenpilzgarten aus dem Oligozän
     
    ENTOMOLOGIE
    Horizontaler Gentransfer bei Gespenstschrecken
    „Vampirschmetterlinge“ – Falter auf Abwegen
     
    MIKROBIOLOGIE
    Integration eines Transport-Proteinkomplexes in die äußere Membran
    Neues Antibiotikum in menschlicher Nase entdeckt
    Neue Erkenntnisse zur Infektionskrankheit Melioidose
     
    WISSENSCHAFTSKOMMUNIKATION
    Wie kann man den Nutzen wissenschaftlicher Publikationen steigern?
     
    KURZMITTEILUNGEN
    Sprengkraftbestimmung der ersten A-Bombe
    Hybrides, künstliches Photosynthese-System
    Emiliana huxleyi speichert amorphes Calcium
    Verbreitung von Wildkatzen in Deutschland
     
     

 

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G. Arratia, H.-P. Schultze, H. Tischlinger, G. Viohl (Hrsg.):
Solnhofen. Ein Fenster in die Jurazeit.

J.-H. Fabre:
Erinnerungen eines Insektenforschers
 

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    Stichwort: Doping
    Retrospektive: Perfektionieren von Technik als andere Art der Kriegsführung
    Vorschau, Impressum
     
    BIOMAX 32
   
Max-Heft der Max-Planck-Gesellschaft München, Frühjahr 2016

Christina Beck
Gefiederte Großstädter − und ihr anderes Verhalten (nicht nur zur Paarungszeit)
 
     
   
     
   
   

Sonnenfinsternisse und deren Bedeutung für die Astrophysik

Totale Sonnenfinsternisse gehören zu den eindrücklichsten Naturphänomenen, die bis heute nichts von ihrer Faszination verloren haben. Der Beitrag geht auf die astronomischen Bedingungen ein, die zu Finsternisereignissen führen und zeichnet Etappen der Erforschung bis zum heutigen Zeitpunkt nach. Trotz Forschungssatelliten bieten von der Erde aus beobachtete totale Sonnenfinsternisse einmalige Bedingungen, insbesondere um die Chromosphäre und die Korona der Sonne zu untersuchen. Zur Zeit einer totalen Finsternis wird der Kosmos gleichsam zu einem Forschungslaboratorium.
 

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Mit Pflanzenextrakten und Gentechnik gegen HIV

Die durch das HI-Virus ausgelöste Immunschwäche AIDS hat man heute dank antiviraler Kombinationstherapien weitgehend im Griff, wobei Nebenwirkungen in Kauf zu nehmen sind. Eine echte Heilung ist bislang nur in einem Einzelfall („Berliner Patient“) beobachtet worden und bleibt ein großes Wunschziel. Die Autorin berichtet über aktuelle Forschungen zum Einsatz von Pflanzenextrakten und Genscheren. Erstere enthalten offensichtlich mehrere antivirale Substanzen, die eine Resistenzbildung erschweren, letztere könnten einmal zur gezielten Elemination viraler Gene und damit zur Heilung beitragen.
 

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Otto Liebknecht und das „Per“ von Persil

Otto Liebknecht steht bis heute im Schatten seines berühmten Bruders Karl, des ermordeten Sozialisten, und seines Vaters Wilhelm, des Mitbegründers der Sozialdemokratischen Partei Deutschlands. Er widmete sich nicht der Politik, sondern der angewandten Chemie und trug auf seine Weise dazu bei, das Leben vieler Menschen zu verändern.
 

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