NR-aktuell  
     
     TITELBILD
     
     
 

Titelbild NR 10/2016: Obstsortenvielfalt. In der Vergangenheit spielten Äpfel und Birnen weniger als Tafelobst zum Rohverzehr eine Rolle, vielmehr leisteten sie vor allem in den Wintermonaten einen wichtigen Beitrag zur Ernährung. Sie wurden vergoren, gekocht und gebacken, zu Dörrobst, Saft, Sirup und Kompott verarbeitet. Dementsprechend gab es viele Sorten, die sich speziell für eine dieser Verwendungsformen eigneten. So sollten Backäpfel beim garen fest bleiben, Musäpfel hingegen sollten zerfallen, Mostäpfel und –birnen sollten saftreich sein etc. Im 18. und 19. Jahrhundert nahm das öffentliche Interesse an Obstbaukunde in Europa stark zu. 1758 prägte der Gärtner Johnann Hermann Knoop hierfür den Begriff Pomologie (lat. pomum = Baumfrucht). Um 1800 entstanden die ersten pomologischen Vereine, deren Mitglieder untereinander Edelreiser tauschten – eine der Ursachen für das bis heute herrschende babylonische Durcheinander der Sortenbezeichnungen: So heißt der Alantapfel u.a. (!) auch Carrée d‘Automne, Edler Prinzessin, Franche-Noble, Fransche Kron, Gestreifter Imperial, Großer gestreifter Kaiser, ­Moenchsnase, Nonlesse, Pomme Carrée, Pomme d‘Alent, Pomme d‘Aunée, Prince d‘Orange, Princesse Noble de Knoop, Zimmet Apfel. Oft wurde der Name einer Sorte auch in die jeweilige Landesprache übersetzt – nicht immer richtig. Die rasch zunehmende Sortenzahl führte bald zu Versuchen, diese Vielfalt zu ordnen. Die hierfür aufgestellt Systematik orientierte sich an Fruchtmerkmalen. So gab es z. B. die Kategorie der Kantäpfel, zu denen man aufgrund ihrer Form die Calville (Gewürz-Calvill, Weißer Winter-Calvill) zählte; der Gruppe der Reinetten ordnete man aromatisch-süße, meist ebenmäßige, oft rauhschalige Sorten zu, wie die Englische Spital-Reinette, deren Name übrigens von der falschen Übersetzung des Herkunftsortes Syke-House (nicht Sicke-House) herrührt. Auch die Birnen teilte man so ein: Der Zusatz „Bergamotte“ weist auf eine runde, gedrungene Form (Esperen‘s Bergamotte), der Zusatz „Schmalz“ oder „Butter“ auf steinarmes, süßes Fruchtfleisch (Clairgeau‘s Butterbirn). Auch die Farbe spielte eine Rolle: So zählt die Grüne Tafelbirn zur Gruppe der grünen Langbirnen. Die wohl älteste bekannte Apfelsorte ist übrigens der Stern-Api, der noch aus der Römerzeit stammen soll. Zur Dokumentation der Sorten dienten in erster Linie detaillierte Zeichnungen, seltener Nachbildungen wie die auf der Titelseite abgebildeten aus dem „Arnoldischen Obstcabinet“, die im Auftrag des Thüringer Gartenbauvereins aus verschiedenen Materialien gefertigt und mit ausführlichen Informationen zu Standortansprüchen und Nutzungspotential in die ganze Welt verschickt wurden.
Das Titelbild zeigt eine Auswahl von Arnoldis Modellen, die zu den Kostbarkeiten der Botanischen Sammlung des Instituts für Botanik und Landschaftsökologie der Universität Greifwald gehören. Die aus Porzellanmasse bestehenden Nachbildungen spiegeln die Obstsortenvielfalt um 1900 wider, deren Wert in jüngerer Zeit wiederentdeckt wird. Einige, wie die Forellenbirne, der Bohnapfel und die Stuttgarter Geißhirtenbirne sind zumindest regional noch verbreitet. [Photos Jens Meyer, mit frdl. Genehmigung des Instituts für Botanik und Landschaftsökologie, Ernst-Moritz-Arndt-Universität Greifswald]

wüha

     
   
     ÜBERSICHT
   
   

Gerhart Drews:

    Mechanismen der Reproduktion in der Welt der Organismen
     
    mehr ...
     
    BERICHT
   
    Karin Pfeffer: 
    Dokumentierte Lichtverschmutzung – Atlas der künstlichen Nachthelligkeit veröffentlicht
     
    mehr ...
     
    KONZEPTE UND GESCHICHTE
   
    Klaus Liebers: 
    Otto von Guericke – ein deutscher Galilei. 330. Todesjahr des großen Experimentators
     
    mehr ...
     
    FORUM
     
    Leserbriefe und Kommentar zum Thema Klimawandel
     
     
    Rundschau
     
    ASTRONOMIE
    Salzablagerungen auf dem ­Zwergplaneten Cerest
     
    KOMETENFORSCHUNG
    Hierarchie von Teilchenaggregaten im Kometenstaub
     
    ATMOSPHÄRENFORSCHUNG
    Mikrometeoriten aus dem Archaikum geben Hinweise auf ehemalige Atmosphäre
     
    GEOCHEMIE
    Chemie und Kristallographie des Eisen(III)-oxids bei hohen Drücken und hohen Temperaturen
     
    ENERGIE
    Solarthermische Methanproduktion aus Kohlendioxid und Wasser
     
    ROHSTOFFE
    Ölsand – eine der größten Quellen für sekundäre organische Aerosole
     
    PALÄONTOLOGIE
    Ein Megalosaurier aus dem Wiehengebirge
     
    PARASITISMUS
    Gegenselektion für die Größe von Rosengallen durch Parasitoide und Räuber
     
    ÖKOLOGISCHE MIKROBIOLOGIE
    Phänotypische Heterogenität als Selektionsvorteil
     
    TIERISCHE GIFTE
    Insulin im Gift von Kegelschnecken
     
    WIRKSTOFFFORSCHUNG
    Neuer Wirkstoff gegen Leishmaniosen und Trypanosomosen
     
    BILDUNGSPOLITIK IN DEN  USA
    Kreationismus durch die Hintertür?
     
    KURZMITTEILUNGEN
    Neuer Dieselzusatz verringert Rußbildung
    Vipera walser, ein seltenes alpines Relikt
    Fördern LED-Lampen lichtscheue Fledermäuse?
    Beleuchtete Straßen als Barriere für Nachtfalter
    Vaginale Zika-Infektion schädigt ­Mäuseföten
     
     
    BÜCHER UND MEDIEN
     
    Buchbesprechungen
   

Konrad Kleinknecht: Risiko Energiewende – Wege aus der Sackgasse.

Marc-Denis Weitze, Wolfgang M. Heckl:
Wissenschaftskommunikation: Schlüsselideen, Akteure, Fallbeispiele

Jean-Henri Fabre:
Erinnerungen eines Insektenforschers. Band VII

Joachim Holstein (Hrsg.): Insects of Kagamera Forest.
 

    Neuerscheinungen
     
    PERSONALIA
    Todestage
    Geburtstage
    Akademische Nachrichten
    Ehrungen
     
    SERVICE
    Tipps und Hinweise
    Nachrichten aus dem Internet
    Veranstaltungen
     
    NR
    Stichwort: Morphologie
    Retrospektive: Organtransplantation und Leben aus der Retorte
    Vorschau, Impressum
     
    TECHMAX 23
   
Max-Heft der Max-Planck-Gesellschaft, Sommer 2016

Roland Wengenmayr:
Moleküle auf der Zunge - wie die Physik das Essen erforscht
 
     
   
     
   
   

Mechanismen der Reproduktion in der Welt der Organismen

Organismen verdanken ihre fortdauernde Existenz den Mechanismen der Reproduktion, die das Bestehende bewahren, aber auch genügende Abwandlungen erlauben, um Vielfalt und Anpassungsfähigkeit zu ermöglichen. Im einfachsten Fall erfolgt die Fortpflanzung über eine Zellteilung, wodurch identische Kopien (Klone) entstehen, wie man sie durchweg bei Bakterien findet. Diese verfügen jedoch auch über zusätzliche Mechanismen, mit der sie ihre Erbsubstanz durch Austausch und Umbau stark verändern. Eine noch stärkere genetische Mischung, die Bande zwischen Individuen knüpft und Populationen als Fortpflanzungsgemeinschaften konstituiert, ist die sexuelle Reproduktion der eukaryotischen Organismen. Gleichwohl gibt es auch bei ihnen in vielen Fällen die Option einer ungeschlechtlichen und sogar klonalen Fortpflanzung, wie am Beispiel der Wirbeltiere und der Blütenpflanzen vorgestellt wird.
 

    zurück zum Anfang
 
   
   
   

Dokumentierte Lichtverschmutzung – Atlas der künstlichen Nachthelligkeit veröffentlicht

Taghell erleuchtete Städte und Industrieanlagen haben in weiten Gebieten der Welt zu einem Verlust der Nacht geführt, dessen Folgen erst allmählich wahrgenommen und als eine Art der Umweltverschmutzung angesehen werden. Helle Nächte haben vielfältige Konsequenzen nicht nur für die Tier- und Pflanzenwelt, sondern auch für den Menschen. Ein auf Satellitenbeobachtungen basierender Atlas öffnet dafür die Augen, was uns durch nächtliche Helligkeit entgeht.
 

    zurück zum Anfang
 
   
   
   

Otto von Guericke – ein deutscher Galilei. 330. Todesjahr des großen Experimentators

Als Erfinder der Luftpumpe und als begabter Praktiker ist Otto von Guericke weithin bekannt. Doch er war weit mehr: Mit seinen Forschungen, Beobachtungen und Überlegungen zum Vakuum schloss der im Dienst seiner Vaterstadt Magdeburg stehende Privatgelehrte an die damalige Elite der Physiker an und gab europaweit wirkende Impulse für die Konstruktion von Dampfmaschinen und die Untersuchung der Elektrizität.
 

    zurück zum Anfang