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Titelbild NR 11/2016: Reproduktion bei Pilzen. Wie alle Eukaryoten vermögen sich Pize primär auf sexuellem Wege fortzupflanzen, wenngleich sexuelle Vorgänge längst nicht bei allen Arten dokumentiert und zur Vermehrung auch nicht zwingend erforderlich sind. Auf dem Titelbild sind Vertreter der Schlauchpilze (Ascomyceten) und ein Vertreter der Ständerpilze (Basidiomyceten) zu sehen. Die Gruppen sind nach den Zellen (Ascus bzw. Basidium) benannt, in denen sich bei der sexuellen Fortpflanzung die geschlechtsverschiedenen (+/-) Kerne vereinen und die so gebildete diploide Zelle eine Reduktionsteilung durchläuft, so dass daraus haploide Asco- bzw. Basidiosporen hervorgehen. Zusätzlich gibt es vielfältige Wege der asexuellen Fortpflanzung, bei der Sporen durch Zellteilung (allgemein: Mitosporen) gebildet werden (vgl. Beitrag S. 568).
Das Hintergrundbild zeigt Aspergillus fumigatus [1]. Der deutsche Gattungsname Gießkannenschimmel bezieht sich auf die Anordnung der asexuell entstandenen Sporen (sog. Konidien), die auf dem köpfchenförmigen Sporenträger (Konidiophor) stehen. A. fumigatus pflanzt sich fast ausschließlich asexuell fort und ist ein gefürchteter pathogener Pilz, der bei Menschen und Tieren vor allem in Lunge und Nasennebenhöhlen die gefürchtete Aspergillose hervorruft. Die kleinen Abbildungen zeigen von rechts oben im Uhrzeigersinn: Konidiophoren von Trichoderma harzianum [2]: Trichoderma-Arten sind saprophytische Bodenbewohner, von denen viele auch als Wurzelsymbionten gelten. T. harzianum wird im Pflanzenschutz zur biologischen Kontrolle pflanzenpathogener Pilze eingesetzt, wobei die Wirkung offenbar überwiegend auf einer Parasitierung der Schadpilze beruht. Rechts Mitte: Back- oder Bierhefe Saccharomyces cerevesiae [3]. Wie alle einzelligen Hefen vermehrt sie sich asexuell durch Knospung, wie hier an einigen Zellen zu sehen. Zusätzlich können auch Hyphen gebildet werden, die nach ihrer Vereinigung und einer Meiose Ascosporen hervorbringen. Rechts unten Microsporum gypseum [4], ein saprophytischer Bodenpilz, der zur keratinabbauenden Mikroflora zählt und eine (geringe) Pathogenität für den Menschen aufweist, bei dem er oberflächliche Dermatosen („Gärtner-Mikrosporie“) hervorrufen kann. Über eine sexuelle Fortpflanzung ist nichts bekannt. Selten werden keulenförmige Mikrokonidien aus jeweils einer Zelle, häufiger Makrokonidien aus bis zu sechs Zellen gebildet (im Bild). Links unten Microsporum audouinii [5], ein anthropophiler Parasit, der Tinea capitis, eine Mykose der behaarten Kopfhaut, verursacht. Neben Konidiosporen werden Chlamydosporen gebildet, die ebenfalls aus mitotischen Teilungen hervorgehen, und um die sich eine dicke, oft pigmentierte Zellwand bildet. Sie dienen weniger als Verbreitungs- denn als Überdauerungsstadien. Links oben: Poren des Sklerotien-Stielporlings Polyporus tuberaster [6]. Der (essbare) Sklerotien-Stielporling zählt zu den Ständerpilzen, d. h. er bildet einen Fruchtkörper aus mit Stiel und Hut. Auf der Unterseite des Hutes werden in den Basidien Basidiosporen gebildet und abgeschnürt.
[Photonachweise: (1) Centers for Disease Control and Preservation’s Public Health Image Library (PHIL), (2) U.S. Department of Agriculture, Agricultural Research Service, (4) Doc. RNDr. Josef Reischig, Csc., (5) Dr. Lucille K. Georg/ Centers for Disease Control. – (6) Amadej Trnkoczy/MushromObserver. – CC-BY-SA 3.0]

rd/wüha

     
   
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Mechanismen der Reproduktion in der Welt der Organismen – Sexualität und Klonalität bei Protisten und Pilzen

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