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TTitelbild 12/2015: Ilex aquifolium aus Gesners Historia plantarum. Der Schweizer Konrad Gesner (1516 - 1565) gilt als Gründungsvater der Zoologie, der mit einem ungeheuren Fleiß das Wissen seiner Zeit über die Tierwelt sammelte und in Bildwerken vereinte, vier Folianten unter dem Titel Historia animalium (ein fünfter kam nach seinem Tod heraus), einem daraus abgeleiteten „Thierbuch“ und ein Werk über die Nomenklatur, in der die Tiere nicht (nach dem rein praktischen Gesichtspunkt des Aufsuchens) alphabetisch, sondern systematisierend zusammengestellt wurden. Anders als Plinius, dessen Werk zu Gesners Zeiten immer noch als maßgebend galt, war Gesner weit mehr als nur ein Kompilator. Manche der Berichte früherer Autoritäten zog er in Zweifel, viele Abbildungen und Texte verraten eigene Anschauung – gleichwohl unterliefen ihm auch Irrtümer, und auch in seinem enzyklopädischen Werk ist manches Fabeltier verewigt. Die Zeichnungen gingen zu einem großen Teil auf ihn selbst zurück, er kooperierte auch mit Künstlern – so enthält sein Werk über die Säugetiere die Abbildung eines Rhinozeros aus der Hand von Albrecht Dürer.
Weit weniger bekannt ist Gesners botanisches Werk, das zu seiner Zeit wohl einzigartig dastand und an Umfang und Gehalt andere zeitgenössische „Kräuterbücher“ wie das des Leonhart Fuchs (1501 - 1566) übertraf. Zu Lebzeiten publizierte er lediglich einen „Pflanzenkatalog“ (1543), der bis heute zur Identifizierung in alten Werken genannter Pflanzen dient, und das Werk Descriptio montis fracti (Beschreibung des wegen seiner Doppelspitze als „mons fractus“ bezeichneten Pilatus), also eine Monographie eines Berges mit vegetationskundlichen und ökomorphologischen Be­obachtungen. Bedingt durch seinen frühen Tod, der ihn bei der Pflege Pestkranker ereilte, kam ein geplantes Werk zur Naturgeschichte der Pflanzen nicht zur Vollendung. In seinen Hinterlassenschaften fanden sich rund 1500 meist selbst angefertigte Zeichnungen mit Notizen, wie man sie aus einem Arbeitsprotokoll kennt. Nur weniges wurde von seinem Freund Caspar Wolf später veröffentlicht, der das Werk aber nicht vollendete, sondern den botanischen Nachlass an den Nürnberger Joachim Camerarius d. J. verkaufte. Von besonderem Wert waren die vielen morphologischen Details, deren systematische Bedeutung erst viel später erkannt wurde. Bei ihrer erstmaligen Veröffentlichung (1751 - 71) konnten sie mithin nicht mehr wirksam werden. Gesners botanische Tafeln gehören zu den Kostbarkeiten der Universitäts-Bibliothek Erlangen-Nürnberg. Hier ausgewählt ist ein Tafelausschnitt, der die Stechpalme, Ilex aquifolium, zeigt. [Abb. mit freundlicher Genehmigung der Universitätsbibliothek Erlangen-Nürnberg. Zu Gesner als Botaniker vgl. K. Mägdefrau: Geschichte der Botanik, Leben und Leistung großer Forscher. G. Fischer. Stuttgart, Jena 1992]

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    Konrad Gesner (1516–1565): Universalgelehrter und „Vater der Zoologie“
     
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Stadtklima: Ursachen und Folgen

Städte haben tiefgreifende Auswirkungen auf das lokale Klima: Die Versiegelung der Landschaft, die bauliche Verdichtung sowie die Emissionen durch Industrie, Heizungen und Verkehr sind nur einige Faktoren, die sich einschneidend auf den Wasser- und Wärmehaushalt und die Luftzirkulation auswirken. Der Beitrag stellt wichtige Zusammenhänge zwischen Siedlungsstruktur und Stadtklima vor und diskutiert Maßnahmen zur Verbesserung des Bioklimas.
 

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Konrad Gesner (1516 – 1565): Universalgelehrter und „Vater der Zoologie“

Konrad Gesner ist bis heute vor allem durch sein Tierbuch bekannt, aus dem insbesondere jene Bilder im kollektiven Gedächtnis sind, die kuriose Fabelwesen zeigen. Derartige Darstellungen bilden jedoch die Ausnahme – das Werk besticht durch eine Fülle von realistischen Abbildungen und enthält wichtige zoologische Informationen. Gesner Interessen waren enzyklopädisch ausgerichtet: Er machte sich auch durch Wörterbücher sowie pflanzenkundliche Werke einen Namen. Als echter Renaissancemensch war Gesner ein Wegbereiter der Neuzeit. Sein 450. Todestag und sein bald zu feiernder 500. Geburtstag geben Anlass zu einer Würdigung.
 

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20 Jahre multilaterale Klimapolitik – eine Bilanz der Kyoto-Periode

Das 1997 beschlossene Kyoto-Protokoll markiert den Beginn einer auf die Mitwirkung aller Staaten ausgerichteten Klimapolitik. Damals verpflichteten sich die Industriestaaten, in der sogenannten ersten Verpflichtungsperiode des Kyoto-Protokolls (2008 bis 2012) die Emission der Treibhausgase jährlich um eine Gigatonne zu senken. Diese Verpflichtung wurde, wie eine kritische Betrachtung zeigt, einzig durch historische Zufälle formal erfüllt. Allerdings wurden – gemessen an der ursprünglichen Intention, die Treibhausgasemission von 1990 bis zum Jahr 2050 zu halbieren – keineswegs die für notwendig erachteten Maßnahmen ergriffen. Die Bilanz zeigt Schwachpunkte auf, die für die Umsetzung des in Paris beschlossenen Klimaabkommens relevant sein werden.
 

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