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Titelbild NR 04/2017: Kopf von Vespula germanica. Diese Kopfansicht in Anaglypendarstellung demonstriert eindrücklich das Potential der Stereoskopie (s. S. 168). Erst mit Hilfe einer Rot-Cyan- (Grün)-Brille gewinnt man einen plastischen Eindruck von dem maskenartig vorgewölbten Kopfschild (Clypeus), den kalottenartigen Komplexaugen und den abstehenden, auch nach vorne weisenden Insektenhaaren. Der Kopfschild zeigt die für die Deutsche Wespe typische Zeichnung mit drei schwarzen Flecken; er ist unten schwarz umsäumt von den mächtigen Kauladen (Mandibeln) abgesetzt. Deren dunkel pigmentierte Zähne sind entlang der Schneidekante verschieden ausgeprägt: Distal (im Bild unten) sind sie als dünne spitze Schneidezähne (Incisivi), proximal dagegen als breite Kaufläche ausgebildet. Die Zähne beider Seiten sind nicht symmetrisch, sondern greifen ineinander, wie besonders an den Incisivi sichtbar ist, die wie Scherenblätter gegeneinander arbeiten. Auf dem Scheitel kann man das mittlere der drei Punktaugen erkennen. Mit dem bloßen Auge sieht man einen roten und einen blauen Punkt, die mit der Rot-Cyan-Brille verschmelzen: Auf diese Weise kann man die für den stereoskopischen Effekt günstige relative Deviation (Abstand der verschiedenfarbigen Bildpunkte/Gesamtbreite des Bildes) von 0,039 berechnen.
Die Deutsche Wespe kommt mittlerweile auf allen Kontinenten vor, wo sie zum Teil als Neozoon gefürchtet ist. In Europa fehlt sie nur in Nordskandinavien. Ihre Staaten sind hierzulande einjährig und erreichen meist eine Stärke von 3000 bis 4000 Individuen. Im Winter sterben sie bis auf die begatteten Königinnen ab, die im Frühjahr aus ihren Verstecken kommen und geeignete Nistplätze (vorzugsweise unterirdisch, etwa in später erweiterten Mäusenestern) aufsuchen, um dort ihre papierenen Nester anzulegen. Die Jungenaufzucht wird zunächst von der Gründerin, dann von ihren weiblichen Nachkommen übernommen. Überwiegend werden Insekten verfüttert (Fliegen, Schmetterlinge, Heuschrecken, Raupen), die auch die Hauptnahrung der Imagines sind. Im Sommer und Herbst fliegen sie gerne zuckerhaltige Nahrungsquellen (Säfte, Marmelade, Obst) an und können dadurch lästig werden. Erst zum Spätsommer treten fortpflanzungsfähige Weibchen und Männchen auf.
[Photo Roman Klein 4k3D photography – CC-BY-SA 4.0]

 Rd

     
   
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Robert Sturm:

    Stereoskopische Methoden in Mathematik und Naturwissenschaften
Anwendung des räumlichen Bildes in verschiedenen Forschungsfeldern
     
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    Peter Albers, Roland Full und Heribert Offermanns: 
    Die Faszination der Farbe Blau – Bedeutung und Historie
     
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    China baut Observatorium zur Erforschung kosmischer Strahlung
     
     
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Ernst Peter Fischer:
Gott und der Urknall. Religion und Wissenschaft im Wechselspiel der Geschichte.
 

   

Bernulf Kanitscheider:
Kleine Philosophie der Mathematik. Mathematik, Bildung und Kulturen.
 

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Max-Heft der Max-Planck-Gesellschaft, Winter 2016/2017

Christina Beck:
Neandertaler mischen mit – was DNA-Analysen über unsere Frühgeschichte verraten
     
   
     
   
   

Stereoskopische Methoden in Mathematik und Naturwissenschaften
Anwendung des räumlichen Bildes in verschiedenen Forschungsfeldern


Die Erzeugung eines natürlichen Raumeindrucks auf einem flachen Papierbild oder auf eine Projektionsebene ist eine faszinierende Herausforderung. Neben dem ästhetischen Genuss bieten stereoskopische Bilder die Möglichkeit, morphologische Strukturen von Lebewesen, aber auch archäologische Artefakte und andere Dinge der realen Welt adäquat zu dokumentieren. Die Stereoskopie verschafft uns aber auch ganz neue Perspektiven, indem sie modellhaft Rekonstruiertes oder auch völlig Abstraktes unserer Wahrnehmung zugänglich macht. Der Autor stellt die theoretischen Grundlagen der Stereoskopie vor und berichtet über ihre Anwendungsfelder in der Wissenschaft.
 

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Die Faszination der Farbe Blau – Bedeutung und Historie

Das Bedürfnis, sich die Welt farbig zu gestalten und damit zu verschönern, besteht wohl seit Anbeginn der Menschheit. Mineralien und pflanzliche Stoffe boten sich als Färbemittel an, deren Nutzung, Gewinnung und Herstellung unsere Geschichte auf tiefgreifende Weise mitgestaltet haben. Besonders gut lässt sich dies am Beispiel von Blaupigmenten wie Ultramarin und Indigo demonstrieren. Sie haben gleichermaßen Kunst, Wirtschaft und Handel beflügelt und geprägt. Mit der Indigosynthese und den ohne natürliches Vorbild geschaffenen Farbstoffen wie den Phthalocyaninen und dem Methylenblau wurden schließlich die Grundlagen der chemischen Industrie gelegt, die fester Bestandteil unserer modernen Welt ist.
 

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