NR-aktuell  
     
     TITELBILD
     
     
 

Titelbild NR 06/2017: Zellige Strukturen in der belebten und unbelebten Welt. Das Bild lädt zum Vergleich ein und zu der Frage, wie derartige hochgeordnete Strukturen zustande kommen. Sind die Kräfte, die Seifenblasen (Hintergrundbild) sich vereinen lässt und gleichsam zwingt, ihre Kugelform aufzugeben und zusammen mit ihren Nachbarn plane Flächen auszubilden, denen vergleichbar, die zur Ausbildung von Zellwänden bei Pflanzen führen? Steckt hinter der Ähnlichkeit im netzartigen Verlauf von Blattadern und Insektenflügeln oder gar in den Trocknungsrissen von Sepiatinte (oben rechts, invertiert) ein gemeinsames Prinzip? Und trägt der Vergleich von dreidimensionalen zelligen Gebilden mit den in einer Ebene liegenden gekammerten Strukturen dazu bei, grundlegende Gesetzmäßigkeiten aufzuspüren?
Vor nunmehr 100 Jahren überraschte der Zoo­loge D’Arcy Wentworth Thompson die Fachwelt, indem er derartige Fragen stellte und zugleich ein mathematisches Rüstzeug vorschlug, um einen neuen Zugang zur Morphologie zu schaffen (zum Beitrag S. 286). Im biologischen Sinne echte Zellen sind nur im Bild links unten zu sehen. Es zeigt einen Sprossquerschnitt einer Pfeifenblume (Aristolochia sp.). Die hellen Zellwände gehören zum Holzteil (Xylem), der weitlumige Gefäße für den Wassertransport aufweist und ein wichtiges Festigungsgewebe ist. Zur Peripherie (im Bild unten) schließt sich der Siebteil (Phloem) an, der Bereich des Leitbündels, der dem Transport von Assimilaten von den Blättern in die Wurzel dient. Funktionelle Fragen wie diese wird man auch bei der Analyse des hier abgebildeten Vorderflügels eines Netzflüglers und bei der baumartig verzweigten und zellig untergliederten Blattstruktur stellen. Dies ist ein fundamentaler Unterschied zur unbelebten Welt. Nur in der Welt der Organismen gibt es Wozu-Fragen, die auf die Funktion abzielen und damit notwendiger Teil einer konstruktionsmorphologischen Analyse sind. [Photos Archiv NR]                                                                                            Rd

     
   
     ÜBERSICHT
   
   

Friedrich Josef Zeller:  :

    Die Schwarze Johannisbeere: Königin der Strauchbeeren
     
    mehr ...
     
    KONZEPTE UND GESCHICHTE
   
    Alexander Fürst von Lieven:
    Der Körper als angewandte Mathematik – Zum 100. Jubiläum der Erstausgabe von D’Arcy Wentworth Thompsons Über Wachstum und Form
     
    mehr ...
     
     
    Rundschau
     
    PLANETOLOGIE
    Entstehung der frühesten Erdkruste im Archaikum
     
    PALÄONTOLOGIE
    Früher Landgang
     
    PALÄOANTHROPOLOGIE
    Graecopithecus – der älteste Vormensch ein Europäer?
     
    KLIMAFORSCHUNG
    Arktis trägt maßgeblich zum ­Meeresspiegelanstieg bei
     
    NUTZPFLANZEN
    Bedrohung durch reisartige Unkräuter
     
    MEERESBIOLOGIE
    Wirkung von Makroalgen und Versauerung auf Korallen
    Abbau von gesunkenem Holz in der Tiefsee
     
    MIKROBIOLOGIE
    Metabolische Abhängigkeit durch Genomreduktion bei Bakterien
     
    MOLEKULARBIOLOGIE
    Transkription auf Vorrat in Nervenzellen
     
    GENETIK
    Konservierte Rolle des U12-Spleißens bei Vielzellern
    Entstehung der Carnivorie beim Zwergkrug
     
    KURZMITTEILUNGEN
    acktmulle überleben Sauerstoffmangel durch Fructoseabbau
    Magnesiumbasierter Nano-Verbundstoff
    Datenspeicherung mit Holmiumatomen
     
     
    BÜCHER UND MEDIEN
     
    Buchbesprechungen
   

Max J. Kobbert:
Diamant und Schneekristall. Faszinierende Welt der Kristalle mit über 400 Farbaufnahmen in 3D.
 

   

Gotthilf Hempel, Kai Bischof, Wilhelm Hagen (Hrsg.):
Faszination Meeresforschung. Ein ökologisches Lesebuch.
 

    Neuerscheinungen
     
    PERSONALIA
    Todestage
    Geburtstage
    Akademische Nachrichten
    Ehrungen
     
    SERVICE
    Tipps und Hinweise
    Nachrichten aus dem Internet
    Veranstaltungen
     
    NR
    Stichwort: Katalyse
    Retrospektive: Macht Stadtluft frei oder krank?
    Vorschau, Impressum
     
    TECHMAX 24
   
Max-Heft der Max-Planck-Gesellschaft, Sommer2017

Roland Wengenmayr:
Echte Knochenarbeit – wie Forscher die Tricks der Natur entschlüsseln
     
   
     
   
   

Die Schwarze Johannisbeere: Königin der Strauchbeeren

Sie gehört gewiss nicht zu den Säulen der Welternährung, doch sind ihre Früchte hoch begehrt und wirtschaftlich von einigem Interesse. Die Schwarze Johannisbeere eignet sich weniger zum frischen Verzehr, aber hervorragend für diverse Fruchtzubereitungen. Vor allem ist es der hohe Gehalt an Vitamin C, der sie auch zu einer gesunden Frucht macht. Der Beitrag berichtet über Anbau, Schädlinge und Züchtungsziele des bemerkenswerten Beerenstrauchs.
 

    zurück zum Anfang
 
   
   
   

Der Körper als angewandte Mathematik – Zum 100. Jubiläum der Erstausgabe von D’Arcy Wentworth Thompsons Über Wachstum und Form  

Bereits zu Lebzeiten war der große schottische Biologe eine Legende. Er ging eigene Wege, um zu einem tiefen Verständnis der organischen Formen zu gelangen, die für ihn Ausdruck physikalischer Gesetzmäßigkeiten waren. Er sah er in der Mathematik die adäquate Sprache, um die Formenmannigfaltigkeit zu beherrschen. Wie der von ihm geschätzte Aristoteles dachte er dynamisch. Die Form war gleichsam Ergebnis im Wechselspiel stehender Kräfte, die über die Materie herrschen. Die von ihm entworfenen kartesischen Transformationen von Gestalten fanden Eingang in die Lehrbücher. Er sah in diesen Gitternetzdarstellungen Werkzeuge, den innewohnenden Gestaltungskräften auf die Spur zu kommen.
 

    zurück zum Anfang